piqd Hintergrund | Urbane Mobilität

Wir brauchen eine Verkehrswende

Beim piqd-Salon in München haben wir im Juli 2019 über die urbane Mobilität der Zukunft gesprochen, die aktuelle Situation in deutschen Großstädten analysiert und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. Großstädte wie München, Berlin und Hamburg wachsen seit Jahren, doch dort ist der Platz begrenzt. Besonders auf den Straßen, wo es immer enger wird: Autos nehmen in der Stadt noch mehr Platz ein und bringen außerdem schlechte Luft und Feinstaub mit. In München soll sich das unter anderem durch den Radentscheid ändern.

Wie sehr das Auto gegenüber anderen Verkehrsmitteln bevorteilt wird zeigt Alex Rühle in seinem Text für die Süddeutsche Zeitung vor allem mit Zahlen belegen kann. Während die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr in München beispielsweise seit 2004 um 40–60 Prozent teurer geworden sind, kostet Parken immer noch das Gleiche.

Es gibt 47 Millionen Autos in Deutschland, […] das sind 13 Prozent mehr als 2008. Und jedes dieser Autos braucht einen Platz, wo es steht. Das sind durchschnittlich 12m². […] Die Autos die dazu kommen werden außerdem immer schwerer und fetter. – Alex Rühle

Gute Infrastrukturen für das Rad und bessere Verknüpfung mit dem ÖPNV

Umweltjournalistin und piqerin Daniela Becker ist begeistert von Kopenhagen:  „Wie ich Radl-Botschafterin wurde“ heißt ihr Artikel für Riff Reporter. Für sie ist klar: Radfahren muss sicherer und bequemer werden. Wenn mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sein sollen, sollte der Rad, Fuß- und Autoverkehr möglichst getrennt werden. Das heißt auch, dass Radfahrer mehr Platz bekommen müssen. Was in Kopenhagen ebenfalls gut funktioniert: Man kann das Rad mit dem ÖPNV kombinieren, es gibt etwa extra Fahrradabteile und die Mitnahme ist kostenlos. So kann man gut mit dem Rad pendeln.

Es wird nicht gehen, ohne dem stehenden Verkehr, aber auch dem rollenden Autoverkehr Platz wegzunehmen. – Daniela Becker

„Verkehrswende ist mehr als Radinfrastruktur zu schaffen“

Grünen-Politikerin und Radentscheid-Sprecherin Gudrun Lux sagt, dass die Verkehrswende natürlich mehr ist, als Radinfrastruktur zu schaffen. Es kommt vor allem auf die Verteilung von Platz und Geldern an. Auch Lux betont: „Wir werden den Platz den Autos wegnehmen müssen, weil kein anderer Platz da ist.“

Wir sehen heute schon, dass es offensichtlich eine demokratische Mehrheit für die Ziele des Radentscheids gab. […] Wir haben eine demokratische Mehrheit, weil die Bürgerinnen und Bürger ganz klar ihren Willen artikuliert haben. – Gudrun Lux

Andreas Schuster von Green City e. V. stellte einige Sofortmaßnahmen vor: Den Ausbau des Busnetzes, die Umverteilung der Flächen, den Ausbau des Fuß- und Radverkehrs sowie Erlebnisräume und -flächen für die Menschen zu schaffen.

Wir müssen eine neue Qualität der Nähe schaffen, dass die Nutzungen wieder zusammengeführt werden und man gar nicht diese langen Strecken zurücklegen muss und wenn man sie zurückliegt, dann eben mit dem öffentlichen Verkehr. – Andreas Schuster

Alle Erzählungen und Geschichten des letzten piqd-Salons zum Nachhören, gibt es im piqd-Hintergrund, moderiert von Florian Schairer:


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