Polizeiarbeit | Predictive Policing: Alles nur heiße Luft?

Algorithmen gegen Kriminalität?

18.08.2016

Verbrechen vorhersagen dank Datensoftware. Das klingt viel futuristischer, als es eigentlich ist. Und auch handfeste Beweise für die Effizienz von „Predictive Policing“ fehlen bislang. Dennoch ist die Methode profitabel, besonders für Softwareunternehmen.

Die Tür ist aufgebrochen, Schmuck und Bargeld sind verschwunden. Kein unwahrscheinliches Szenario, denn eingebrochen wird in Deutschland immer häufiger. Die Aufklärungsquote ist jedoch nach wie vor gering. Algorithmen sollen dabei helfen, das Risiko in unterschiedlichen Regionen und Stadtteilen zu bestimmen. Predictive Policing – vorhersagende Polizeiarbeit – heißt diese Methode, die etwa das LKA München bereits für die Prävention von Einbrüchen nutzt. Dabei wird versucht, anhand von Mustern herauszufinden, wann und wo Einbrüche stattfinden könnten.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) scheint sich für die softwarebasierte Kriminalitätsbekämpfung zu interessieren: Im Stuttgarter Polizeipräsidium lässt er sich erklären, wie mithilfe von Algorithmen Verbrechen vorhergesagt werden können. Handfeste Studien aber, die die Effizienz dieser Methode beweisen, fehlen dabei bislang.

Predictive Policing – Polizeiarbeit der Zukunft?

Das, was sich hinter dem Begriff „Predictive Policing“ verbirgt, ist im Endeffekt nicht wirklich neu. Daten erheben, auswerten und daraus Rückschlüsse auf das Risiko zukünftiger Verbrechen ziehen: Das sind Aufgaben, die für einen erfahrenen Polizisten ohnehin zum Berufsalltag gehören. Algorithmen können Hilfsmittel sein für die Polizei. Doch eine deutliche Verbesserung der Ergebnisse leisten sie nicht, erklärt der Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl.

Viel von dem geht nicht über die üblichen Kenntnisse eines Polizisten hinaus. – Reinhard Kreissl, Kriminalsoziologe

Futuristisch – und auch ein wenig besorgniserregend – klingen die Behauptungen US-amerikanischer Wissenschaftler: Bereits vor der Geburt eines Kindes wollen Soziologen herausfinden, ob dieser Mensch einen Hang zur Kriminalität besitzt. Algorithmen sollen darüber hinaus nicht nur Verbrechen vorhersagen, sondern auch angeben können, ob ein Straftäter rückfällig wird.

Die Tätigkeiten eines Psychiaters übernehmen Algorithmen in der deutschen Polizeiarbeit zwar noch nicht. Dennoch wächst das Interesse an der Vorhersage-Software immer weiter. Für den Soziologen Reinhard Kreissl liegt das vor allem daran, dass sich Investitionen in zivile Sicherheit lohnen – auch für Politiker, die der Bevölkerung verdeutlichen wollen, dass ihnen das Thema Innere Sicherheit am Herzen liegt.

Ein Innenminister ist gegen solche Verlockungen nicht gefeiht. – Reinhard Kreissl

Warum Predictive Policing in Zukunft noch ein größeres Thema sein wird und welche Rolle Algorithmen bei der Kriminalitätsbekämpfung tatsächlich spielen, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Bollert mit dem Kriminalsoziologen Reinhard Kreissl gesprochen.

Interview Predictive Policing_Reinhard Kreissl_Credits_PrivatZivile Sicherheit ist ein neues Investitionsfeld.Reinhard KreisslDer Soziologe arbeitet an europäischen Projekten, in denen es um die Entwicklung von Tools für "Predictive Policing" geht.  

Redaktion: Friederike Rohmann