Polizeiausbildung auf dem Prüfstand

Lizenz zum Töten

27.04.2017

Die Polizei übt in Deutschland das Gewaltmonopol des Staates aus. Was oft Menschenleben rettet, führt manchmal aber auch zum Tod von Beteiligten. Es gibt Fälle, in denen sich tödliche Schüsse von Polizisten hätten vermeiden lassen. Muss die Polizeiausbildung besser werden?

Vor allem in den USA ist Polizeigewalt seit Jahren ein großes Thema, das immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen führt. Aber das Problem gibt es nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland.

Wie kommt es zu tödlichen Schüssen?

Bei einem Polizeieinsatz in Essen ist es zu einem tödlichen Zwischenfall gekommen. Ein Polizist hat bei einem Routineeinsatz wegen Ruhestörung einen 22-Jährigen mit einem Schuss tödlich verletzt. Das Opfer soll mit einem Messer auf die Polizisten zugestürmt sein. Oft werfen diese Fälle mehr Fragen auf, als sie Antworten geben.

Hat der Polizist durch sein Handeln Schlimmeres vermieden und Menschen gerettet? Oder hat er vielleicht einen Fehler begangen? Hätten gezielte Schüsse auf Arme oder Beine Schlimmeres verhindert? Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem konkreten Fall noch. Doch wie bereitet die Polizeiausbildung Polizisten auf so eine Situation vor?

Polizeiausbildung: Waffengebrauch vs. Psychologie

Tödliche Schüsse sind in den letzten Jahren beispielsweise auch auf psychisch Kranke abgegeben worden, nachdem sie Beamte angegriffen haben. Die Situationen waren für die beteiligten Polizisten immer gefährlich. Sind sie dafür gut genug ausgebildet? Oder sind einige Polizisten in solchen Situationen eventuell überfordert?

Natürlich erhalten Polizeibeamte in ihrer Ausbildung auch psychologisches Grundwissen. Sie lernen, dass die Waffe kein alltäglicher Gebrauchsgegenstand ist.

Es wird hier eindeutig nicht so gesehen, dass die Waffe vergleichbar ist mit dem Kamm des Friseurs, sondern letztes Mittel ist. – Birgitta Sticher, Professorin für Psychologie

Die Ursachen für die jetzt wieder diskutierten Vorfälle sind vielfältig. Einige kritisieren vor allem die aktuelle Polizeiausbildung. Wie viel Raum das Schießen in der Polizeiausbildung einnimmt und ob es vielversprechendere, alternative Deeskalationsstrategien gibt, erklärt Birgitta Sticher. Sie ist Professorin für Psychologie und Führungslehre im Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin.

detektor.fm-Moderatorin Marie Landes hat mit ihr gesprochen und Birgitta Sticher erläutert dabei unter anderem, wieso das englische Modell, keine Waffe zu tragen, in Deutschland schwierig umzusetzen ist.

Birgitta Sticher ist Professorin für Psychologie im Fachbereich Polizei und SicherheitsmanagementGrundsätzlich ist es die Frage, wie oft Polizisten die Möglichkeit haben, den Schusswaffengebrauch in Stresssituationen zu üben. Da sagen unsere Studenten oft, sie würden das gerne häufiger üben.Birgitta SticherProfessorin für Psychologie und Führungslehre im Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement. 

Redaktion: Roberta Knoll