Prävention gegen sexuellen Kindesmissbrauch durch Jugendliche

Jugendliche bekommen Hilfe in der Charité

23.02.2017

Noch bis Ende diesen Jahres läuft das Charité-Projekt zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch. Die Anlaufstelle richtet sich explizit an Jugendliche. Das Angebot zur Bewältigung und Kontrolle von sexuellen Gefühlen gegenüber Kindern wird erfolgreich angenommen.

Einmal aus den Kinderschuhen herausgewachsen, entdecken wir unsere Sexualität. Zuerst das Interesse am eigenen Körper, dann die wachsende Neugier auf andere Menschen. Was, wenn Jugendliche an diesem Punkt feststellen, dass die eigenen sexuellen Wünsche und Bedürfnisse auf Kinder gerichtet sind? Dafür wurde 2014 das Projekt „Primäre Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch durch Jugendliche“ ins Leben gerufen.

„Du träumst von ihnen“

Mit dieser Kampagne präsentiert sich das Projekt im Internet. Seither können sich Jugendliche, die sexuelle Gefühle für Kinder haben, hilfesuchend an Ärzte und Psychologen wenden. Die Mitarbeiter des Institutes für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Charité Berlin sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Vivantes Klinikum hören zu, wenn Jugendliche davon erzählen wollen. Vorurteilsfrei, offen und unter Schweigepflicht.

130 Anfragen aus dem In- und Ausland

Drei Jahre später liegen erste Ergebnisse des Pilotprojekts vor. Seit dem Start hat es bereits über 130 Anfragen aus dem In- und Ausland gegeben; sogar aus Spanien und den USA. Daneben haben bereits 65 Jugendliche die Diagnostik zu einer sexuellen Präferenzausrichtung auf Kinder durchlaufen. Und 24 Jugendlichen wurde ein Therapieangebot gemacht.

Frühzeitige Bewältigung und Kontrolle

Ziel ist es, diesen Jugendlichen möglichst früh in ihrer Entwicklung Unterstützung bei der Bewältigung und Kontrolle ihrer sexuellen Impulse anzubieten. Dabei knüpft man an das seit elf Jahren laufende Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ an. Aus diesem Projekt für erwachsene pädophile Männer geht hervor, dass einige in ihrer Jugend gerne Hilfe in Anspruch genommen hätten.

Die Jugendlichen kommen her und haben das Gefühl, dass sie Kinderschänder seien. Und man muss erst einmal diesen Gedanken auflösen, dass eine Vorstellung oder Phantasie von etwas nicht automatisch heißt, dass man dieses Verhalten auch ausüben wird. – Umut Oezdemir, Sexualtherapeut

Wie im Rahmen des Projekts „Primäre Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch durch Jugendliche“ mit jungen, hilfesuchenden Menschen gearbeitet wird, über die Erfolge dieser Arbeit sowie über zukünftige Entwicklungen – darüber spricht detektor.fm-Moderator Thibeaud Schremser mit dem Psychologen Umut Oezdemir.

Umut Oezdemir_Portrait_Charité BerlinGenerell ist das Ziel, dass der Jugendliche selbst sein Verhalten kontrolliert und nichts illegales macht und dass er die aktuell auftretenden Phantasien akzeptiert. Psychologe Umut C. Oezdemir vom Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité Berlinarbeitet mit betroffenen Jugendlichen. 

Redaktion: Vera Weber