Prime Day: Die moderne Konsumgesellschaft

„Die Schizophrenie des Konsums“

Heute ist Amazon Prime Day. Für die Konsumenten heißt das: Shoppen, Shoppen, Shoppen. In der modernen Konsumgesellschaft kaufen wir mehr als wir brauchen und vergessen dabei auch gerne mal die schlechten Arbeitsbedingungen.

Der Onlinehandel boomt

Beinahe unsere komplette Lebensführung wird von unserem Kaufverhalten und unseren Konsumentscheidungen geprägt. Das ist kein neues Phänomen der Gesellschaft. Doch seit den letzten Jahren gibt es einen weiteren Trend: den Online-Handel. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts haben 2018 etwa 65 Millionen Deutsche online eingekauft. 2014 waren es noch 25 Millionen.

Und die Angebote sind durchaus attraktiv: Um Kunden für sich zu gewinnen, bieten die Online-Shops zahlreiche Rabatte und Aktionstage. Wie der heutige Amazon Prime Day. Letztes Jahr konnte Amazon am Prime Day über 100 Millionen Produkte verkaufen.

Der Onlinehandel ist deshalb besonders trickreich, weil wir relativ schnell einkaufen können. Das verleitet dazu, relativ flott eine Entscheidung zu treffen. – Ludger Heidbrink, Professor für Praktische Philosophie

Streik am Amazon Prime Day

Für die Angestellten des Onlineversandhandels ist der Prime Day jedoch kein Grund zum Feiern. Schon häufiger ist Amazon mit negativen Schlagzeilen über die Arbeitsbedingungen in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Pünktlich zum Aktionstag hat die Gewerkschaft ver.di die Angestellten zum Streik aufgerufen.

Konsum über Ethik?

Neben solchen Protesten sprechen sich in Zeiten des Klimawandels auch viele Menschen für Nachhaltigkeit und bewussten Konsum aus. Laut einer Studie der Stiftung für Zukunftsfragen haben 66 Prozent der Befragten angegeben, dass Fair-Trade-Produkte, Nahrungsmittel ohne Massentierhaltung oder Produkte ohne Kinderarbeit für sie wichtiger werden. Tatsache ist aber auch, dass der Großteil dieser Güter nach wie vor nicht aus nachhaltiger oder ethisch korrekter Produktion stammt.

Es ist eher eine rhetorische Bewegung in den letzten 20 Jahren, was den nachhaltigen Konsum anbelangt. Das reale Kaufverhalten kommt dem nicht hinterher. – Ludger Heidbrink

Wie sich der Konsum gewandelt hat und unsere Gesellschaft beeinflusst, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Erll mit Ludger Heidbrink gesprochen. Er ist Professor für Praktische Philosphie an der Universität Kiel.

HeidbrinkDass wir so eine Sehnsucht nach neuen Dingen haben, ist vielleicht viel stärker schon in der Verfassung des Menschen angelegt. Ludger Heidbrink ist Professor für Praktische Philosophie und forscht unter anderem zur Konsumentenethik. 

Redaktion: Leora Koch