Protest im Web 2.0 – Vom Netz auf die Straße?

04.10.2010

Im Netz-Zeitalter gibt es vollkommen neue Formen, um Protest auszudrücken. Sorgt das dafür, dass mehr Leute auf die Straße gehen? Oder bleibt es beim bloßen Protest-Klick?

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Eine der zahlreichen Protestkundgebungen dieses Sommers, hier gegen die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. / © Lennart Preis (ddp)

Am Wochenende ist in Stuttgart die Polizei hart gegen Demonstranten vorgegangen: und die Bilder und Berichte davon gingen in Sekundenschnelle durch das Netz. Facebook, Twitter und andere Plattformen sind längst auch Werkzeuge, mit denen sich Protest organisiert und entwickelt. Und genau dieser Frage gingen am Wochenende Teilnehmer des Kongresses „Öffentlichkeit und Demokratie“ nach – zum Beispiel auf dem Podium „Vom Netz auf die Straße“. Dort saß zum Beispiel die Politikwissenschaftlerin Sigrid Bahringhorst, die, was die Chancen des Netzes für Mobilisierung angeht, eher Bedenken hat:

Etwas optimistischer ist da Pedram Shahyar von Attac:

Pedram Shahyar von Attac zu Protest im Netz

Besonders hilfreich könnten hier soziale Netzwerke sein. Obwohl natürlich die Frage bleibt: jemand, der in facebook etwas kommentiert, geht der auch wirklich raus auf die Straße zum Demonstrieren?

Und daran schließt auch Pedram Shahyar von Attac an, der bei aller Netz-Euphorie vier große Hauptprobleme sieht:

Pedram Shahyar von Attac zu Protest im Netz

So sei es ein Problem, dass die Nachrichten immer kürzer, immer gehetzter und immer aktueller werden – und dass viele der Nutzer, die nicht permanent die News verfolgen, diese Meldungen auch gar nicht mehr einordnen könnten. Ob etwas stimmt oder nicht: wirklich beurteilen kann das online kaum jemand. Eine Sache sorgt dann aber doch für Überraschung: nämlich die Tatsache, dass wahre Störenfriede, die sogenannten Trolle, sich im Netz – wenn es um Protest geht – scheinbar ziemlich stark zurückhalten. Das meint zumindest Pedram Shahyar von Attact zu beobachten – und bekam auch gleich eine Erwiderung von Sigried Bahringhorst.

Pedram Shahyar von Attac und Sigrid Bahringhorst zu Protest im Netz

Das waren Auszüge aus dem Podium „Vom Netz auf die Straße“ mit der Politikwissenschaftlerin Siegried Bahringhorst, Felix Kolb von Campact und Pedram Shahyar von Attac. Auf dem Kongress „Öffentlichkeit und Demokratie“.