Psychische Belastungen durch Einbrecher

Was bleibt, ist Leere

16.05.2017

Einbrecher richten bei Opfern meist nicht nur materiellen Schaden an, sondern auch psychische. In der Öffentlichkeit wird dieser Aspekt aber nur selten thematisiert. Nun will die Regierung die Strafen für Einbrecher erhöhen. Stellt das Gesetz die Täter in den Vordergrund?

Unterschätzte psychische Folgen

Wohnungseinbrüche nehmen in Deutschland seit einigen Jahren wieder zu. Allein 2015 ist dadurch ein Schaden von 441 Millionen Euro entstanden. Die psychischen Folgen für Opfer lassen sich dagegen kaum messen. Friedrich Schulze, Außenstellenleiter des Weissen Ring e.V., schätzt, dass mehr als jeder Dritte Betroffene psychische Probleme davonträgt.

Man hat sehr persönliche Gegenstände bis hin zur Unterwäsche in seiner Wohnung. Darin haben fremde Leute rumgewühlt  – das erregt bei vielen Menschen absoluten Ekel und auf der anderen Seite eine ungeheure Unsicherheit und Wut. – Friedrich Schulze, Außenstellenleiter des Weissen Ring e.V. Chemnitz

Viele Betroffene fühlen sich zu Hause nicht mehr sicher. Sie haben Angst, ihre Wohnung zu betreten. Sie leiden an Schlafproblemen und verspüren ein Gefühl von Hilflosigkeit. Vor allem die erste Zeit nach dem Einbruch ist für viele Menschen besonders schwierig. Sie befinden sich oft in einem Schockzustand, aus dem sich bei jedem Fünften langfristige Beschwerden entwickeln.

Hilfe für Betroffene

Betroffene, die ihre Ängste nicht allein loswerden können, brauchen professionelle Hilfe.

Sie sollten zeitnah in eine Therapie reinkommen, innerhalb von vier Wochen. – Friedrich Schulze, Weisser Ring

Doch das ist oft leichter gesagt als getan. Termine gibt es oft erst Monate später. Darüber hinaus gibt es zwar das Opferentschädigungsrecht. Hierbei kann der Betroffene einen Antrag auf Hilfeleistung stellen. Aber auch hier trete das Problem von langen Warte- und Bearbeitungszeiten auf, sagt Friedrich Schulze.

Ein Jahr Haft für Einbrecher

Das Bundeskabinett hat nun ein Gesetz verabschiedet, das Einbrecher mit mindestens einem Jahr Haft bestraft. Außerdem dürfen die Daten zu Einbrüchen gespeichert werden. Ermittler können darauf in konkreten Fällen zugreifen.

Über die psychischen Folgen von Einbrüchen und warum sie in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, hat detektor.fm-Moderatorin Marie Landes mit Friedrich Schulze gesprochen. Er ist Außenstellenleiter des Weissen Ring e.V. Chemnitz. Die Organisation hilft Opfern von Kriminalität, wieder in den Alltag zu finden.

Redaktion: Charlotte Glück