Sind Lokalzeitungen so schlecht wie ihr Ruf?

"Glokalität"

17.09.2018

Ein Forschungsteam an der Universität Trier hat 103 Lokalzeitungen qualitativ untersucht. Das Ergebnis: So schlecht wie ihr Ruf sind Lokalzeitungen nicht. Nachholbedarf gibt es aber trotzdem.

Lokalzeitungen in Deutschland

Im Rahmen einer Studie zur Qualität von Lokaljournalismus hat sich ein Forschungsteam der Universität Trier mehr als 18 000 Artikel in 103 Lokalzeitungen angeschaut und ausgewertet. Dabei haben die Forscherinnen und Forscher vier Typen unterschieden: Metropolen-Zeitungen, die in Großstädten mit über 500 000 Einwohnern erscheinen. Stadtzeitungen, Kleinstadt- und Land-Zeitungen in Gemeinden unter 50 000 Einwohnern und Boulevardzeitungen. Untersucht wurde unter anderem die Themenvielfalt und inwieweit die Berichterstattung kritisch ist.

Der Ort bestimmt das Thema

Insbesondere in ländlich geprägten Regionen dominieren der Studie nach Themen wie Hochzeiten und Familienfeiern. Verallgemeinernd kann man das aber nicht für alle Zeitungen sagen, denn gerade im Bezug auf die Themenvielfalt haben die Zeitungen insgesamt gut abgeschnitten. Nachholbedarf gibt es laut Anna-Lena Wagner von der Universität Trier aber trotzdem.

Es gibt weiterhin Qualitätsdimensionen, wo Luft nach oben ist. Dazu zählen die Hintergrund-Berichterstattung, die kritische Berichterstattung und die Partizipationsmöglichkeiten der Leser. – Anna-Lena Wagner, Mitarbeiterin der Studie

Politische Mitsprache im Lokalen

Laut der Studie sind Lokalzeitungen weiterhin für viele Menschen wichtig. Oft wird jedoch kritisiert, dass politische Debatten entweder gar nicht aufgegriffen oder aber nicht in den regionalen Kontext gesetzt werden. Dabei können Lokalzeitungen auch für das eigene politische Engagement relevant sein, erklärt Anna-Lena Wagner im Gespräch.

Wenn ich mich politisch engagiere, dann mache ich das in der Regel vor Ort. Dementsprechend ist es natürlich wichtig, dass gerade im Lokalen politische Themen diskutiert werden. – Anna-Lena Wagner

detektor.fm Moderatorin Bernadette Huber hat sich mit Anna-Lena Wagner über die Ergebnisse der Studie „Die Leistungen des Lokaljournalismus“ unterhalten. Sie hat an dem Forschungsprojekt der Universität Trier mitgearbeitet.

Porträtfoto_Anna-Lena WagnerUnser Ziel war es, ein umfassendes Bild über die Qualität des Lokaljournalismus zu erhaltenAnna-Lena Wagnerforscht an der Universität Trier zur Qualität von Lokalzeitungen. 

Redaktion: Nora Auerbach