Quereinsteiger gegen Lehrermangel – ist das eine gute Idee?

An die Tafel!

12.04.2017

Immer mehr Bundesländer klagen über akuten Lehrermangel. Die Folge: Immer mehr Quereinsteiger werden Lehrer. Besonders dramatisch ist die Lage an Grundschulen. Letzten Sommer haben in einigen Bundesländern bis zu 50 Prozent der neuen Lehrer keine entsprechende Ausbildung gehabt. Ist das bestenfalls eine Zwischenlösung – oder eine reale Chance für Berufsstand und Schüler?

Ist Lehrer ein Traumberuf? Viele Jahrzehnte war das so. Der Job ist gesellschaftlich wertvoll, man ist gut abgesichert, es ist abwechslungsreich und zumindest in der Theorie hat man mehr Ferien als andere.

Trotzdem hat sich der Ruf dieses Jobs in den letzten zwei Jahrzehnten massiv verschlechtert. Der Krankenstand ist auf einem Rekordniveau und, als sei das nicht genug, steht auch die Lehrerausbildung in Deutschland nicht besonders gut da.

So mag es einen vielleicht weniger wundern, dass sich immer mehr Bundesländer über akuten Lehrermangel beklagen. An einigen Schulen kann sogar gar kein normaler Unterricht mehr stattfinden. Nachwuchs wird daher dringend benötigt und aus Mangel an Alternativen sollen nun Quereinsteiger diese Lücke füllen.

Die Zahlen der Quereinsteiger im Lehrberuf steigen

Aber ist das eine gute Idee? Schon jetzt hat jeder zehnte Lehrer kein Lehramtsstudium absolviert, Tendenz steigend. In manchen Bundesländern hatten im Jahr 2016 sogar bis zu 50 Prozent der neu angestellten Grundschullehrer keine pädagogische Grundausbildung.

Allerdings stellt sich durchaus die Frage, ob die Entscheidung für den Karrierewechsel in die Bildung aus Not fallen sollte. Der Beruf verlangt viel ab und gerade Ungelernte könnten den Anspruch dieser Aufgabe unterschätzen.

Lehrermangel: Chance für Studis ohne Ziel?

Zwar kann natürlich nicht jeder einfach Lehrer oder Lehrerin werden, die Zulassungsvoraussetzungen zu dem Job sind aber von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Bei allen zwingend erforderlich ist lediglich ein Hochschulstudium. Das gibt zumindest Fachspezialisten, die in ihrem Metier einen Anwendungsbereich vermissen, die Chance auf Umorientierung.

Doch liegt der Lehrermangel tatsächlich an der Unbeliebtheit des Berufsstandes? Oder gibt es dafür vielleicht noch andere Gründe? Die Antwort darauf und Lösungsansätze für den akuten Lehrermangel hat detektor.fm-Moderatorin Sara Steinert mit Klaus Klemm besprochen. Er ist emeritierter Professor für Bildungswissenschaften der Universität Duisburg.

Der Bildungsforscher hat an der Uni Duisburg-Essen gelehrt.Ein Seiteneinsteiger ist im Regelfall besser als überhaupt kein Unterricht. Aber: besser wäre, wir hätten ausgebildete Lehrer.Prof. Dr. Klaus Klemmhat lange Zeit an der Uni Duisburg geforscht und gelehrt. 

Redaktion: Charlotte Muijs