Reform der Pflegeausbildung

Weniger Fachwissen, mehr Jobchancen?

15.03.2016

Wie wird die Ausbildung in Pflegeberufen attraktiver? Wie lässt sich Fachkräftemangel vermeiden? Auf diese Fragen versucht die Reform der Pflegeausbildung eine Antwort zu geben. Sie soll ab 2018 kommen. Dabei könnte notwendiges Fachwissen verlorengehen.

Aufstiegschancen als Anreiz

Die Nachfrage für qualifiziertes Fachpersonal in der Pflege ist enorm. Bisher hat es für die Berufe des Kranken und Altenpflegers eigene Ausbildungen gegeben. Das wird sich nun ändern. Ab 2018 steht eine Reform der Pflegeausbildung an. Hierbei sollen die derzeit noch unterschiedlichen Ausbildungen zusammengeführt werden. Die Bundesregierung will die Pflegeberufe wieder attraktiver machen. Das neue Ausbildungsprogramm soll mehr Aufstiegschancen ermöglichen.

Wenn Schüler und Schülerinnen heute in einen Pflegeberuf gehen wollen, dann wollen sie vor allem eine hochqualifizierte Ausbildung, sie wollen klare, transparente Karrieremöglichkeiten als Orientierung und sie wollen Flexibilität in ihren Einsatzgebieten. – Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates

Pflegeausbildung wird standardisiert

Den Auszubildenden wird zunächst medizinisches Basiswissen vermittelt. Später können sie sich dann spezialisieren.

Besonders die Altenpflegeverbände kritisieren die Reform. Mit einer vereinheitlichten Ausbildung geht berufsspezifisches Fachwissen verloren, so ihr Argument. Jeder der Berufe weist einen anderen Schwerpunkt auf: Während in der Altenpflege ältere hilfsbedürftige Menschen mit teils chronischen Erkrankungen behandelt werden, muss beispielsweise in der Kinderkrankenpflege der Umgang mit Frühchen geschult werden.

Frage der Finanzierung

Zudem befürchten die Altenpflegeverbände, dass es einen Überschuss an Fachkräften in der Krankenpflege geben wird. Grund dafür ist das höhere Gehalt für Krankenpfleger. Somit würde die Reform den Mangel an Altenpflegern nicht beheben.

Auch die Reformkosten sind immens. Diese betragen schätzungsweise 300 Millionen Euro pro Jahr. Doch die Bundesregierung sieht in dem neuen Ausbildungsprogramm auch Chancen. Mit der Reform wird eine bundeseinheitliche Finanzierung angestrebt. Dadurch entfallen auch Ausbildungsgebühren, die von einigen Pflegeeinrichtungen bisher noch verlangt werden. Die Auszubildenden sollen damit finanziell entlastet werden.

Welche Folgen die Reform haben könnte und wie sich die Ausbildung der Pflegekräfte gestalten wird, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Karolin Döhne mit Andreas Westerfellhaus gesprochen. Er ist der Präsident des Deutschen Pflegerates.

Pflegereform_Andreas WesterfellhausDas wir jetzt eine Pflegeberufe-Reform vor uns haben, ist einer der wichtigen Meilensteine.Adreas Westerfellhausist Präsident des Deutschen Pflegerates 

Redaktion: Theresa Strohbach