Rassismus in den USA

Reisewarnung für Missouri

03.08.2017

Erstmals in ihrer Geschichte hat die wichtigste amerikanische Bürgerrechtsbewegung eine Reisewarnung ausgesprochen. Sie gilt für den Bundesstaat Missouri. Anlass seien zunehmende rassistische Anfeindungen. Was hat das zu bedeuten?

Bürgerrechtler sprechen Reisewarnung aus

Die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung National Association for the Advancement of Coloured People (NAACP) hat das erste Mal in ihrer Geschichte eine Reisewarnung herausgegeben – und zwar für Missouri. In der Warnung ermahnt die Organisation Afroamerikaner ausdrücklich dazu, sich nur unter extremer Vorsicht in dem Bundesstaat zu bewegen. Leser der Empfehlung werden außerdem angehalten, Freunde und Verwandte von der Gefahrenlage zu unterrichten.

Es wird in Missouri oft Racial-Profiling angewandt. Statistiken besagen, dass die Polizei unverhältnismäßig viele Afroamerikaner festhält. Das ist vom Innenminister Missouris bestätigt. – Silvan Niedermeier, Lehrstuhl für Nordamerikanische Geschichte in Erfurt

Hintergrund der Warnung ist nach Angabe der NAACP die steigende Anzahl rassistisch motivierter Angriffe in dem Bundesstaat. Menschen berichten in nie dagewesener Zahl von Zwischenfällen, bei denen sie wegen ihrer Hautfarbe geschlagen, von der Polizei gestoppt oder gedemütigt werden, sagt Rod Chapel, Präsident des NAACP-Büros in Missouri dem Kansas City Star.

Zuletzt sorgte in Missouri ein Vorfall für Schlagzeilen, bei dem die Polizei einen 28-jährigen Schwarzer festnahm. Der junge Mann war mit seinem Auto falsch abgebogen. Später starb er unter ungeklärten Umständen in einer Gefängniszelle. Auch die Universität von Missouri berichtet immer wieder von rassistisch motivierten Übergriffen.

Keine Hilfe bei Diskriminierungen

Ein weiterer Grund für die Warnung ist außerdem ein kürzlich in Missouri verabschiedetes Gesetz. Die neue Regelung erschwert es erheblich, sich rechtlich gegen Diskriminierungen zu wehren. Die NAACP spricht deshalb von einem „Jim-Crow-Law“. Die Bezeichnung bezieht sich auf Gesetze, die nach der Abschaffung der Sklaverei Farbige weiter diskriminierten.

Wenn die NAACP das neue Gesetz als „Jim-Crow-Law“ bezeichnet, ist das im Hinblick auf die lange Geschichte des Rassismus in den USA ein starkes Zeichen. – Silvan Niedermeier

Was genau besagt das neue Gesetz? Und was bezweckt die NAACP mit ihrer Reisewarnung? Das lässt sich detektor.fm-Moderatorin Isabell Woop von Silvan Niedermeier erklären. Er forscht an der Universität Erfurt zu Rassismus und Bürgerrechten in den USA.

niedermeierDurch die sogenannte Black-Lives-Matter-Bewegung der vergangenen zwei Jahre, zeigt sich zumindest eine Sensibilisierung gegenüber Rassismus. Einzelne Fälle sind aber immer wieder erschütternd.Dr. Silvan Niedermeier forscht an der Universität Erfurt zu Rassismus und Bürgerrechten in den USA 

Redaktion Hanna Gerwig