Religionsunterricht in der Kritik

Getrennter Religionsunterricht – ein Auslaufmodell?

01.02.2017

Laut einer Studie wollen zwei Drittel der Deutschen den Religionsunterricht abschaffen und durch einen allgemeinen Werteunterricht ersetzen. Das wirft die Frage auf, wie sinnvoll der getrennte Religionsunterricht an deutschen Schulen noch ist.

Die Debatte um Religion als Unterrichtsfach hat in Deutschland eine lange Vorgeschichte. Schon in der Weimarer Republik stritten sich die Schulreformer darüber, ob der Religionsunterricht nicht im Zuge der Trennung von Kirche und Staat abgeschafft werden sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in den meisten Schulen der BRD Religion als ordentliches Lehrfach unterrichtet. In der DDR hatte Religion im Schulplan keinen Platz.

Unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern

Inzwischen ist der Religionsunterricht in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt. Meist gibt es getrennten katholischen und evangelischen Unterricht. Die Eltern der Schüler können entscheiden, in welchen ihr Kind geht – oder ob es doch den Ethikunterricht besucht.

Aber in den deutschen Klassenzimmern sitzen nicht mehr nur Katholiken und Protestanten. Auch orthodoxe, jüdische und vor allem muslimische Schüler sind dabei. Doch weiterhin wird an vielen Schulen an dem alten Modell des nach Konfession getrennten Religionsunterrichts festgehalten.

Gemeinsamer Religionsunterricht für alle?

Ein gemeinsamer kooperativer Unterricht ist in Deutschland schon im Gespräch. Die Schüler verschiedener Konfessionen würden in dem Fach dann gemeinsam die verschiedenen Religionen behandeln. Dadurch können sie auch ihre eigenen Standpunkte im direkten Vergleich mit den anderen reflektieren.

Dahinter hängt eine ganz grundlegende Frage: Will man einen Unterricht, der den unterschiedlichen religiösen Voraussetzungen und Einstellungen gerecht wird? Also: Will man die Vielfalt religiöser Bildung schützen, fördern und entwickeln? Oder will man im Sinne einer Homogenisierung aus einer Vielfalt eher eine Einheit gestalten? – Prof. Dr. Michael Wermke, Direktor des Zentrums für Religionspädagogische Bildung

Werteunterricht statt Religionsunterricht

Laut einer Studie sind zwei Drittel der Deutschen für eine Abschaffung des Religionsunterrichts. Dafür soll ein neues Fach eingeführt werden, der so genannte Werteunterricht. In diesem stehen allgemeine Ethik, Normen und Werte im Zentrum. Zwar sollen verschiedene Religionen bzw. Konfessionen und auch die eigene Religion behandelt werden, jedoch nicht ausschließlich.

In Luxemburg wurde genau das nach langer Debatte umgesetzt: An den Gymnasien wurde das Fach „Leben und Gesellschaft“ eingeführt, das für alle Schüler verpflichtend ist. Das Fach ersetzt den Religionsunterricht. Auch an Grundschulen soll das neue Fach im nächsten Jahr eingeführt werden.

Über die Bedeutung des Religionsunterrichts in Deutschland hat detektor.fm-Moderatorin Jennifer Stange mit Prof. Dr. Michael Wermke gesprochen. Er ist Direktor des Zentrums für Religionspädagogische Bildung der Universität Jena.

Michael WermkeIch bin dafür, dass zunächst auch anderen Religionsgemeinschaften wie dem Islam die Möglichkeit eingeräumt wird, die auch den evangelischen und katholischen Kirchen und auch den jüdischen Glaubensgemeinschaften offenstehen.Prof. Dr. Michael Wermkeist für weiteren Religionsunterricht an den Schulen.