Richter außerhalb des Gesetzes – Paralleljustiz in Deutschland

29.04.2014

Streit zwischen Nachbarn, offene Schulden, Überfälle oder schlimmste Verbrechen - in Deutschland landen solche Fälle fast immer vor Gericht. Doch in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen wird statt des klassischen Gerichtsprozess der Einsatz eines "Friedensrichters" bevorzugt. Die Justiz stellt das vor Herausforderungen.

Das Recht in die eigene Hand nehmen – Paralleljustiz in Deutschland. Foto: Michael Thurm | Flickr | Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0



Während die meisten Straftaten vor Gericht verhandelt werden, ist vor allem in der muslimischen Gesellschaft der Einsatz von sogenannten Friedensrichtern üblich. Sie sind Teil einer Entwicklung, die von Justizkreisen als „Paralleljustiz“ bezeichnet wird.

Richter ohne Robe

Friedensrichter treten als Schlichter zwischen Opfern, Tätern und Behörden auf – ohne juristische Ausbildung und Richterrobe. Gegen eine Geldzahlung legen die Friedensrichter Streitigkeiten bei.

Dabei sind Androhung von Gewalt oder das Zahlen hoher Geldsummen keine Seltenheit. Sind sich alle Parteien einig, bleibt eine Bestrafung der Täter oftmals aus. Das Recht wird in die eigene Hand genommen – die Justiz hingegen wird so umgangen.

Wie groß dieses Problem wirklich ist und wie die Justiz damit umgehen kann, darüber wir mit dem Staatsanwalt Frank Michael Heller gesprochen.