Robocup in Leipzig: Wie harmlos ist die Roboter-Forschung?

Wettkampf der Roboter-Messis

30.06.2016

Die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt morgen in Leipzig. Noch nicht gewusst? Vielleicht, weil nicht Ronaldo und Messi, sondern Roboter gegeneinander spielen. Der Robocup ist der größte Roboter-Wettkampf der Welt. Fußball mag harmlos klingen, doch Ausweichen, Angreifen und Vorausberechnen kann man auch für andere Einsatzbereiche gebrauchen. Wie harmlos ist die Roboterforschung?

Der moderne Fußball: Man denkt da an aufregende Spiele und durchtrainierte Athleten auf dem Platz. Zumindest, wenn Menschen gegeneinander antreten. Beim Robocup sieht das ein wenig anders aus: Hier stehen Plastikmännchen auf dem Platz, die ein wenig futuristisch aussehen. Sie bewegen sich langsam, und jede Ballberührung sieht etwas ungelenk aus. Ab und zu geraten die Roboter aus dem Gleichgewicht und fallen einfach um. Das alles spricht eigentlich nicht für spannende Unterhaltung.

Die Champions League der Roboter-Wettkämpfe

Dennoch sind die Augen der Technik-Welt auf diesen Wettbewerb gerichtet: Er hat in diesem Jahr mehr als 3.500 Teilnehmer aus über 40 Ländern. Die Veranstalter bewerben den Robocup als „eines der weltweit wichtigsten Technologieevents für Forschung und Ausbildung“. Und sie haben große Ziele: Bis 2050 sollen Roboter in der Lage sein, den dann amtierenden FIFA-Fußballweltmeister zu schlagen.

Das große Interesse am Robocup überrascht nicht. Immerhin findet hier internationale Spitzenforschung statt, direkt vor den Augen der Zuschauer. Und Roboter erleichtern uns schon heute den Alltag: In der Industrie sind sie im Einsatz, weil sie schnell, effektiv und billig arbeiten. Außerdem übernehmen sie gefährliche Aufgaben, sie löschen Brände und entschärfen Sprengstoff.

Jedoch lassen sich Roboter nicht nur zivil einsetzen: Auch die Rüstungsindustrie hat großes Interesse daran, dass Roboter besser werden.

Militärisches Interesse am Robocup?

Schon jetzt wird kritisiert, dass Kriege immer weiter automatisiert werden. In den letzten Jahren sorgte der Einsatz von unbemannten Kampfdrohnen immer wieder für Diskussionen. Ein Ende der Entwicklung ist noch nicht abzusehen – dass Maschinen vollkommen autonom über Leben und Tod entscheiden, ist für manche so auch nur eine Frage der Zeit.

Und da könnte der Robocup ins Spiel kommen. Denn die Technik, die hier entwickelt wird, könnte auch militärisch genutzt werden. Interessiert sich auch die Rüstungsindustrie für Wettbewerbe wie den Robocup? Verhindern Zivilklauseln die Forschung für’s Militär, wie das an manchen Universitäten bereits der Fall ist?

Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit Dr. Jürgen Altmann gesprochen. Er ist Physiker an der Technischen Universität Dortmund und Mitbegründer des internationalen Komitees ICRAC, das sich für die Kontrolle von militärischen Robotern einsetzt.

Jürgen Altmann TU Dortmund (nur für diesn Zweck - RoboCup)Es gibt noch große Probleme, menschenähnliche Roboter sich gut bewegen zu lassen. Dr. Jürgen Altmann von der Technischen Universität Dortmund. Foto: privat  

Redaktion: Simeon Schüz