Schmerzmittel im Leistungssport

Legales Doping?

06.03.2017

"Leistungssport ohne Schmerzmittel geht nicht", so die jüngste Aussage des Eintracht-Frankfurt-Trainers Niko Kovac. Doch zu viel Ibuprofen, Aspirin und Co schaden der Gesundheit und können tödlich sein.

Tabubruch im Profifußball

Leistungssportler, besonders Profifußballer, sind hoch angesehen und gelten für viele als Vorbild. Wenn sie gewinnen, freuen sich hunderttausende Fans mit ihnen. Was Leistungssportler für ihren Erfolg alles machen, ist vielen Zuschauern oft unbekannt.

Der Trainer von Eintracht Frankfurt, Niko Kovac, hat jetzt ein Fußball-Tabu gebrochen. Er hat offen gesagt, dass Profi-Fußball nicht ohne eine gehörige Portion Schmerzmittel funktioniere. Ibuprofen, Paracetamol, Voltaren (Diclofenac) und Aspirin nutzen Fußballer, damit sie Schmerzen später fühlen und schneller bessere Leistungen erbringen.

Schmerzmittel machen krank

Dabei können zu viele Schmerzmittel zu dauerhaften gesundheitlichen Schäden führen. Problematisch ist der Konsum insbesondere bei Ausdauer-Sportarten wie Fußball und Marathon. Gefährdet sind dabei nicht nur Leistungssportler, sondern besonders auch Hobbysportler.

Viele Sportler nehmen die Schmerzmittel zum Teil schon vor den Wettkämpfen, damit sie keine Schmerzen spüren. Durch den vermehrten Konsum können Darmkrämpfe oder -blutungen auftreten. Auch die Niere wird stark belastet, was zu blutigem Urin führen kann. Sport in Kombination mit Medikamenten stört den Elektrolyte-Haushalt, deshalb bekommen viele auch Herz-Kreislauf-Probleme.

Laut einer anonymen FIFA-Statistik zur WM 2010 in Afrika haben über 60 Prozent der Fußballer Schmerzmittel genommen. 39 Prozent sogar vor jedem Spiel. Für den hohen Konsum ist oftmals das Umfeld – Verein, Trainer und Mannschaftsärzte – mitverantwortlich. Verletzungen werden immer wieder nicht richtig auskuriert. Die Spieler bekommen stattdessen einfach eine weitere Tablette.

Legales Doping?

Wenn man im Training oder im Spiel den Schmerz nicht fühlen kann, kann man eine höhere und bessere Leistung erbringen. Dabei solle man den Schmerz auf keinen Fall ignorieren, denn der Schmerz sei das Zeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das betont Frank Schlizio. Er ist Antidoping-Beauftragter des Landessportbundes in Berlin. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Carina Fron sieht er aber beim Thema Schmerzmittel auch die Trainer in der Verantwortung.

Frank Schlizio, Abteilungsleiter Leistungssport, Antidoping-Beauftragter des Landessportbund BerlinSchmerz ist ein Alarmzeichen. Es ist nicht so, dass man einfach so Schmerzen hat, sondern sie zeigen, dass irgendwas im Körper nicht in Ordnung ist.Frank Schlizioist selbst jahrelang Trainer gewesen. 

Redaktion: Conny Poltersdorf