Topf voll Gold | Schumacher als Erfolgsstrategie

Ein prophezeiter Abschied

11.12.2015

Vor fast genau zwei Jahren hatte Michael Schumacher einen tragischen Ski-Unfall. Wie es ihm wirklich geht, weiß niemand. Für die Regenbogenpresse trotzdem kein Grund, nicht mehr über ihn zu schreiben. Warum Schumachers Schicksal immer noch medial überstrapaziert wird, erklärt Moritz Tschermak vom „Topf voll Gold“.

Die Tragödie als Back-Up der Regenbogenpresse

Die Presse lebt vor allem von zwei Dingen: Relevanz und Neuigkeit. Wenn letztere fehlt, greift die Klatschpresse auch mal auf altes Material zurück. Denn irgendwie muss ja das Blatt gefüllt und verkauft werden. So berichten Regenbogenmagazine wie die Aktuelle schon seit Dezember 2013 über die Gesundheit von Michael Schumacher – egal, ob neue Informationen vorliegen oder nicht.

Der neuste Clou: Die Zeitschrift „Die Aktuelle“ hat Schumachers Freunde und Begleiter nach seinem Zustand gefragt. Die Stimmen gehen auseinander. Einen Hinweis, wie es dem mehrfachen Weltmeister tatsächlich geht, liefern sie jedoch nicht. So äußert Ross Brawn, Schuhmachers Teamchef bei Mercedes, Zuversicht, während Ex-Formel-1-Chef Flavio Briatore erklärt:„Ich will ihn so in Erinnerung behalten, wie ich ihn kannte.“

Trotzdem folgert „Die Aktuelle“ aus diesen Zitaten ein Weltuntergangs-Szenario: Dieses Weihnachten wird ganz besonders schlimm und traurig. Es sei an der Zeit, loszulassen.

Michael Schumacher als Dauer-Verkaufsschlager

Es ist nicht das erste Mal, dass „Die Aktuelle“ Schumachers Schicksal instrumentalisiert. Bereits im vergangenen Frühjahr verwendete die Zeitschrift einen irreführenden Titel, mit dem Bild von Schumachers und seiner Frau auf der Titelseite – glücklich nebeneinander. Daneben die Überschrift: „Aufgewacht! – Drei Menschen berichten, wie es ihnen erging, als sie aus dem Koma erwachten“.

Daraufhin hatten sich Fans des Sportlers über den missverständlichen Titel empört. Denn es könnte auf Schumachers Zustand bezogen werden – dabei liegt er noch im Koma. Ständig wird auf Titelseiten spekuliert, wie es um Schumachers Gesundheit bestellt ist. Mal wacht er auf, wie 2014, dann wenn es sich nicht mehr gut genug verkauft, gibt man alle Hoffnungen auf. Ein Prinzip, das auf Kosten eines Menschen, zum Dauer-Erfolg der Regenbogenpresse geworden ist.

Warum Klatschmagazine nicht von Schumachers Schicksal ablassen können, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Astrid Wulf mit Moritz Tschermak vom Topf voll Gold gesprochen.

topfvollgold1_Mats-Schönauer-links_Moritz-Tschermak-rechts-200x1491Es wäre wirklich das Beste, wenn sich die Aktuelle diese Aufforderung zum Loslassen selbst zu Herzen nehmen würde.Moritz Tschermaknimmt zusammen mit Mats Schönauer im Blog "Topf voll Gold" die Regenbogenpresse auseinander. 

Redaktion: Zülal Yildirim


Die Regenbogenpresse in Deutschland ist heiß, aber nur heimlich begehrt. Alltagssituationen, aufgeblasen zu dramatischen Seifenopern der Regenbogen-Realität. Für ihren Blog Topf voll Gold wühlen sich Mats und Moritz Woche für Woche durch die deutsche Regenbogenpresse. Zwei Journalisten auf der vergeblichen Suche nach Seriosität.

Topf voll Gold zum Hören: Jeden Freitag bei detektor.fm und hier als Podcast.