Sexuelle Belästigung an Hochschulen

Grauzone Campus

09.01.2018

Sexuelle Belästigung kommt an Hochschulen ebenso wie in Betrieben vor. Doch Studierende fallen nicht unter den Schutz des "Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes". Was können Universitäten tun, um zu schützen?

Sexuelle Belästigung – #GermanyToo

Seit dem Skandal um Harvey Weinstein im Oktober vergangenen Jahres steht das Thema sexuelle Belästigung in der Filmbranche im Fokus der Öffentlichkeit. Im Zuge der #MeToo-Debatte gibt es inzwischen auch erste Anschuldigungen gegen einen deutschen Regisseur. Dieter Wedel soll in den Neunzigerjahren drei Schauspielerinnen bei Vorstellungsgesprächen sexuell genötigt haben.

Recht auf Beschwerde

Laut der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, gehören insbesondere Film- und Fernsehschauspielerinnen, aber auch Bühnendarstellerinnen zur Risikogruppe. Denn sie verfügen oft über keine betriebliche Anlaufstelle für ihre Beschwerde. Dabei schreibt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz für Beschäftigte (AGG) eine solche Anlaufstelle eigentlich vor. Studierende werden durch dieses Gesetz ebenfalls nicht geschützt, da sie sich in keinem Beschäftigungsverhältnis befinden.

Es ist ein Bedarf da, weil die Universität natürlich auch die Gesellschaft abbildet. Hier kommt sexuelle Belästigung vor und natürlich kommt das auch an der Hochschule vor. – Wendy Stollberg, stellvertretende Zentrale Frauenbeauftragte der FU Berlin

Schutzlücke bei Studierenden

In den Landeshochschul-Gesetzen aller Länder ist zwar festgesetzt, dass die Gleichstellung von Männern und Frauen gefördert werden soll. Ein explizites Verbot sexueller Belästigungen ist allerdings nicht überall festgehalten. Deshalb haben in den vergangenen Jahren immer mehr Hochschulen eigene Rechtstexte zum Thema entworfen.

Die Freie Universität Berlin hat eine entsprechende Änderung vor fünf Jahren vorgenommen. 2015 hat auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in einem Fact Sheet die Universitäten offiziell aufgerufen, selbstständig diese Schutzlücke zu schließen. Sie sollen beispielsweise selbst transparente Verhaltensrichtlinien und klare Sanktionen festlegen.

Über die Dimensionen sexueller Belästigung an Hochschulen und was man dagegen tun kann, hat detektor.fm-Moderatorin Maja Fiedler mit Wendy Stollberg gesprochen. Sie ist stellvertretende zentrale Frauenbeauftragte der FU Berlin.

Stollberg-photo_beschnittenJeder Person, die betroffen ist, die der Meinung ist, ihr ist etwas Unangenehmes widerfahren, ihre persönliche Grenze ist überschritten worden, der würde ich raten, mit jemandem zu sprechen.Wendy Stollbergstellvertretende Zentrale Frauenbeauftragte der FU Berlin 

Redaktion: Sophia Spyropoulos, Lara-Lena Gödde