Tragödie auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin

Gefühlte vs. reale Sicherheit

20.12.2016

Sicherheit kann weder auf Zahlen noch auf einen Status festgelegt werden - wie die Tragödie auf dem Berliner Weihnachtsmarkt zeigt. Zwar versucht der Staat, objektive Sicherheit herzustellen und Bürger und deren Güter zu schützen. Wir fühlen uns aber dennoch unsicherer als vorher. Grund dafür ist die subjektive Wahrnehmung von Sicherheit. Denn nicht jeder definiert diese gleich.

Tote auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin

Die Tragödie auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz beschäftigt Berlin und die Republik. 12 Tote und 48 Verletzte, so die erste Bilanz. Und: Ein Gefühl der Unsicherheit, das sich bei vielen Menschen breitmacht. War es der erste große Anschlag in Deutschland?

Über die genauen Umstände und die Hintergründe der Tat ist bisher noch wenig bekannt. Trotzdem haben die Behörden die Polizeipräsenz verstärkt, viele Weihnachtsmärkte bleiben geschlossen. Die Polizei hat mittlerweile Zweifel, dass der zunächst festgenommene Mann auch wirklich der Täter war.

Die Rolle der sozialen Medien

Derweil haben Menschen auf der ganzen Welt die Geschehnisse in Berlin mitverfolgt – und das in Echtzeit. Soziale Netzwerke und Internet machen es möglich, etwa beim Facebook-Security Check.

Wir haben leider das Problem, dass die sozialen Medien nach solchen Ereignissen ihre Eigendynamik entfalten. – Rita Haverkamp, Universität Tübingen

Dabei gibt es ein Problem: Viele der geteilten Informationen sind entweder falsch oder unvollständig. Auch von Medien und Behörden kommen voreilige Meldungen. Zwar ist es grundsätzlich richtig und wichtig, zu berichten, jedoch schaffen falsche oder ungenaue Meldungen Verwirrung und Angst.

Und: es bleibt nur ein Teil der Meldungen auch hängen. So wird aus einem „mutmaßlichen Anschlag“ in der öffentlichen Debatte einfach nur: ein „Anschlag“.

Wir hatten dieses Jahr viele schreckliche Ereignisse und dementsprechend ist die Sensibilität der Menschen besonders hoch. Da ist es sinnvoller, von Tatverdächtigen zu sprechen, aber keine weiteren Infos raus zu geben, bevor man am Ende wieder zurückrudern muss. – Rita Haverkamp

Rita Haverkamp forscht an der Universität Tübingen über reale und subjektive Wahrnehmung von Sicherheit. Durch Zufall war sie auch beim Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum in München vor Ort und hat ihre Forschungsinhalte am eigenen Leib erfahren. Mit detektor.fm-Moderatorin Marie Landes hat sie über gefühlte Sicherheit und den richtigen Umgang mit Informationen im Krisenfall gesprochen.