Sozial Benachteiligte rauchen mehr

"Ein Tabak-Werbeverbot ist längst überfällig"

06.04.2018

Eine Studie über das Rauchen in Deutschland zeigt: Umso niedriger der soziale Status, desto mehr wird geraucht. Woran liegt das? Und was muss die Politik tun?

Rauchverhalten

Mehr als 12.000 Menschen haben Forscher befragt, um mehr über das Rauchverhalten der Deutschen zu erfahren. Demnach gehört Deutschland in Westeuropa zu den Spitzenreitern. Doch innerhalb der Bevölkerung ist der Tabakkonsum sehr unterschiedlich verteilt. Sozial benachteiligte Menschen rauchen deutlich mehr. Somit hängt der Verbrauch von Zigaretten und die finanzielle Lage eng zusammen.

Menschen mit einem höheren Einkommen haben eher die Möglichkeit, Maßnahmen finanziell tragen zu können, die Ihnen dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Also, bestimmte therapeutische Maßnahmen oder Medikamente oder Ähnliches. – Dr. Ute Mons, Krebsforschungszentrum

Die letzte Bastion der Tabakwerbung

Rauchen ist gesundheitsschädlich. Denn Raucher werden eher krank und sterben früher. Das ist unbestritten. Hinzu kommt, dass Raucher dem Staat teuer zustehen kommen. Trotzdem werden Zigaretten bei uns weiterhin auf Großplakaten beworben. Deutschland ist das letzte Land der EU, in dem das erlaubt ist. Dabei verspricht der Staat der Weltgesundheitsorganisation WHO seit mittlerweile 14 Jahren Tabakwerbung zu verbieten.

Aus unserer Sicht ist das skandalös. So ein Tabakwerbeverbot in Deutschland ist schon längst überfällig. Es ist auch sehr schwer zu verstehen, warum es da so schwer fällt, so eine sinnvolle und wirksame Maßnahme umzusetzen. – Dr. Ute Mons

Die Zigaretten-Lobby ist mächtig

Vor zwei Jahren schien es, als ob man sich auf einem guten Weg befindet, Tabakwerbung abzuschaffen. Doch dann wurde das Vorhaben ausgbremst. Über den Einfluss der Tabak-Lobby in Deutschland hat detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop mit Dr. Ute Mons gesprochen. Sie leitet die Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Ute MonsDie Zukunft zeigt, ob wir die Politik überzeugen können, dass wirksame Maßnahmen, die in anderen Ländern ganz wesentlich dazu beigetragen haben den Tabakkonsum so deutlich zu reduzieren, auch in Deutschland sinnvoll wären, um Krebsfälle zu vermeiden und zu einer gesünderen Bevölkerung beizutragen.Dr. Ute Monsleitet die Stabsstelle Krebsprävention des Krebsforschungszentrums 

Redaktion: David Seeberg