Stadtgespräch | Feinstaubklage in Stuttgart

Körperverletzung durch Luftverschmutzung

15.02.2017

In Stuttgart wird an über 60 Tagen im Jahr der maximale Feinstaubwert überschritten. Zwei Bürger haben nun gegen den grünen Oberbürgermeister Klage eingereicht. Der Vorwurf: Körperverletzung mit Todesfolge. Zu wenig werde unternommen, um die Feinstaubbelastung in den Griff zu bekommen.

Stuttgart: Hochburg des Feinstaubs

In Stuttgart herrscht mal wieder Feinstaub-Alarm. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt liegen die Werte regelmäßig über dem Durchschnitt. Das hat mehrere Gründe: Zum einen liegt Stuttgart in einem Tal, sodass sich der Feinstaub bei ruhiger Wetterlage über der Stadt sammelt. Zum anderen sind die Autoabgase sehr hoch, da viele Bewohner in Stuttgart mit dem Auto fahren. Vor allem im Winter überschreiten die Schadstoffe in der Luft häufig die Maximalwerte.

Wir haben schon einen schönen Begriff dafür: Wie andere Städte in den Alpen eine Wintersaison haben, haben wir in Stuttgart hier eine Feinstaubsaison und die geht vom 15. Oktober bis zum 15. April. – Thomas Durchdenwald, Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung

Die Klage

Aufgrund der hohen Feinstaubbelastung haben nun zwei Bürger Klage eingereicht. Sie werfen dem grünen Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Regierungspräsident Wolfgang Reimer Körperverletzung mit Todesfolge und unterlassene Hilfeleistung vor. Die bisherigen Maßnahmen gegen die Schadstoffe in der Stuttgarter Luft reichen nicht aus.

Was wird gegen Feinstaub unternommen?

Überschreitet der Feinstaub-Wert in der Luft eine bestimmte Grenze, so wird „Feinstaub-Alarm“ ausgerufen. Das heißt, auf den Verkehrsschildern der Stadt steht dann der Hinweis, dass man weniger Auto fahren und die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen soll. Dazu werden in dieser Zeit die Preise für Fahrkarten des Nahverkehrs reduziert. Auch Kamine dürfen währenddessen nicht benutzt werden.

Die Regierung plant nun, blaue Plaketten für umweltfreundliche Autos einzuführen. Nur Inhaber einer solchen Plakette sollen dann noch in der Stadt fahren dürfen. Doch viele plädieren weiterhin für ein Fahrverbot.

Man hat es jetzt mit den Empfehlungen probiert und dem Angebot, verbilligt mit dem ÖPNV zu fahren. Das hat zu wenige Leute zum Umsteigen bewegt. Insofern werden wir wohl an Verboten nicht vorbeikommen. – Thomas Durchdenwald

Über die andauernde Feinstaubbelastung in Stuttgart hat detektor.fm-Moderatorin Carina Fron mit Thomas Durchdenwald gesprochen. Er ist Redakteur der Stuttgarter Zeitung.

Thomas DurchdenwaldEs hat sich verbessert, aber es hat sich bei weitem nicht so sehr verbessert, wie es nötig wäre.Thomas DurchdenwaldRedakteur bei der Stuttgarter Zeitung. 

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