Stadtgespräch | Internationale Bauausstellung IBA in Erfurt

Das "Wir-Labor"

28.08.2019

Frische Ideen für die Erfurter Nordstadt: Das "Wir-Labor" will neue Wege des gemeinsamen Lebens und kreativen Arbeitens erkunden.

Die Internationale Bauausstellung (IBA)

Das Format der IBA existiert schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Früher noch als Exposition der baulichen Möglichkeiten gedacht, geht es den Ausstellungen heute um städtische und ländliche Entwicklung. In Thüringen will die IBA naturnäher Bauen und mit ihren Projekten soziale Initiativen unterstützen. Es sollen Orte des Ankommens und Verweilens geschaffen werden.

Die IBA Thüringen läuft von 2009 bis 2023. Von ihr erhofft sich das Bundesland neue Impulse für die Städte und moderne Baukultur auf dem Land. Insgesamt sind 27 Projekte mit ganz unterschiedlichen Konzepten Teil der Ausstellung.

Ein Raum der Möglichkeiten

Eines dieser Projekte ist das „Wir-Labor“. An einer bisher wenig attraktiven Straßenecke im Erfurter Norden entsteht in einem alten Gebäude ein Freiraum. Langzeitarbeitslose, Geflüchtete und Menschen mit Behinderung sowie Anwohner sollen in dem Projekt die Möglichkeit haben, selbst einen Raum zu gestalten.

Ich erhoffe mir von diesem Projekt, dass es Menschen zusammenbringt. Das ist beim Bauen das Wesentliche: Stadtentwicklung ist ein sozialer Prozess. Immer wieder haben Menschen darüber nachgedacht, wie sie zusammen leben, wie sie zusammen Zukunft gestalten möchten. Dieses soziale Element ist ganz wichtig, wenn man Dinge verändern möchte. – Tobias Knoblich, Stadtentwicklungsdezernent in Erfurt

Betrieben wird das „Wir-Labor“ vom Kulturverein Plattform e. V., der auch andere soziale Projekte in Erfurt betreut. Neben dem „wir“ ist auch der Begriff „Labor“ nicht zufällig gewählt. In dem Projekt soll mit neuen Formen des Zusammenlebens, der kreativen Arbeit und auch innovativen Geschäftsmodellen experimentiert werden. Daneben geht es auch darum, das Viertel lebhafter zu gestalten und die Lebensqualität dort zu steigern.

Über das „Wir-Labor“ hat detektor.fm-Moderator Philipp Weimar mit Tobias Knoblich gesprochen. Er ist Stadtentwicklungsdezernent in Erfurt.

Tobias Knoblich_Foto UrbanWir leben – gerade in den ostdeutschen Städten – in schwierigen Zeiten. Kräfte reüssieren, die eher auf Abschottung und ein exklusives Modell einer deutschen Leitkultur setzen, Grenzen aufzeigen, anstatt neue Erlebnisräume, ein neues soziales Miteinander zu gestalten. Tobias Knoblichist Vorsitzender der Kulturpolitischen Gesellschaft e. V. und Stadtentwicklungsdezernent in Erfurt. 

Redaktion: Jonas Dietz