Stadtgespräch | Streit um die Max-Brose-Straße in Coburg

Eine Straße wird zum Politikum

21.04.2015

In Coburg sorgt eine Straße für erhitzte Gemüter. Der Oberbürgermeister möchte eine Max-Brose-Straße, benannt nach dem Firmengründer des wichtigsten Unternehmens der Stadt. Nur hat der im Zweiten Weltkrieg Kriegsgefangene beschäftigt.

Max Brose, der Mitläufer

Der Vorschlag des Oberbürgermeisters Norbert Tessmer (SPD), eine Straße in Coburg nach Max Brose zu benennen, stößt auf wenig Gegenliebe. Kritik kommt aus den eigenen Reihen der SPD-Stadtratsfraktion, aber auch von Geistlichen und Publizisten.

Anstoß nehmen die Kritiker an der Vergangenheit des Großunternehmers Brose, der im Zweiten Weltkrieg nicht nur Kriegsgefangene beschäftigte, sondern auch „Wehrwirtschaftsführer“ war. 1949 wurde Brose im Zuge der Entnazifizierung als Mitläufer eingestuft.

Der Enkel des Firmengründers Max Brose und der heutige Firmenvorsitzende Michael Stoschek unterstützen das Vorhaben des Oberbürgermeisters. Das Unternehmen Brose ist auch heute noch wichtig für die Region: über 20.000 Menschen arbeiten dort.

Dauer-Zoff und Rehabilitation

Der Streit um die Max-Brose-Straße beschäftigt Coburg schon seit über zehn Jahren. Bereits 2004 forderte Broses Enkel Stoschek eine Straße, die nach seinem Großvater benannt wird – das lehnte der Stadtrat damals ab. Kurz darauf beendete das Unternehmen Brose sämtliche Zahlungen für soziale Engagements in Coburg.

Nun hat der Stadtrat Coburg den Unternehmer Max Brose im März 2015 rehabilitiert und die Causa Max-Brose-Straße wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Seitdem wird das Thema in Coburg erneut hitzig diskutiert.

Über die Diskussionen in seiner Stadt und die mangelnde Bereitschaft der Coburger, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm mit dem Coburger Historiker Rupert Appeltshauser gesprochen.

Rupert AppeltshauserWas hier jetzt in der Sache "Max Brose" hochkocht, ist ein Mangel, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Es war hier eine NS-Hochburg, aber es wird gesagt: Vergessen wir's. Ruprecht Appeltshauserist der Meinung, die Coburger haben noch nicht genug getan, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Foto: privat 

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Redaktion: Lisa Hänel