Stadtgespräch | München: Zur Arbeit schwimmen

Unten Ruhe, oben Verkehrschaos

12.07.2017

Jeden Tag mit dem Auto in der Münchner Rush Hour feststecken oder sich gegen andere Fahrradfahrer auf den Radwegen behaupten? Das ist Benjamin David zu anstrengend, daher pendelt er seit zwei Jahren schwimmend durch die Isar zur Arbeit.

Verkehrschaos in München

Die alltäglichen Probleme einer Großstadt: überfüllte U-Bahnen und Busse, durch Staus verstopfte Straßen und viel zu enge Radwege. Ganz zu Schweigen von Abgasen und hoher Lärmbelastung. Auch in München, drittgrößte Stadt Deutschlands, sind diese Probleme allgegenwärtig. Unfälle und Aggressionen seitens der Verkehrsteilnehmer sind da fast schon vorprogrammiert. Aber gibt es überhaupt umweltfreundliche Methoden, sicher und schnell in der Münchner Rush Hour an sein Ziel zu gelangen?

Transportmittel Isar

Benjamin David ist Mitbegründer und Sprecher der urbanauten, einem Projekt für öffentliche Räume in München. Sein Arbeitsplatz ist der Kulturstrand am Deutschen Museum. Allerdings wohnt er am etwa zwei Kilometer entfernten Baldeplatz. Vor zwei Jahren wurde ihm das ganze Pendeln mit Bus, Auto oder Fahrrad in der Innenstadt einfach zu viel. Dann kam die Idee: Einfach mal zur Arbeit schwimmen. Und zwar durch die Isar. Diese Möglichkeit der Fortbewegung ist nicht nur sportlich, sondern auch schnell und umweltfreundlich.

Die Idee das hier zu machen, kam eigentlich durch eine freundliche Begegnung mit ein paar Leuten aus der Schweiz, denn in Basel machen das im Rhein offenbar Hunderte, wenn nicht Tausende jeden Tag. – Benjamin David, Vorsitzender des Isarlust e.V.

Bei jedem Wetter

Ob Sommer oder Winter, ob Sonne oder Regen, Benjamin David schwimmt jeden Morgen zur Arbeit. Von seiner Wohnung aus geht es die Böschung hinunter und dann ab in den Neoprenanzug und die Gummisandalen. Seine Wertsachen verstaut er in einer wasserfesten Tasche, dem so genannten „Wickelfisch“. Benjamin David benutzt den Wasserweg übrigens nur auf dem Hinweg. So kann er sich von der Strömung treiben lassen und braucht maximal eine halbe Stunde bis zu seinem Arbeitsplatz. Von der Arbeit wieder nach Hause geht er entweder zu Fuß oder nimmt den Bus.

Das ist tatsächlich ein hervorragendes öffentliches Verkehrsmittel, man muss einfach nur ein bisschen aufpassen, also es ist nicht ganz ungefährlich. Da gilt auch, dass man sich an ein paar Sicherheitsregeln hält. – Benjamin David

Wie er auf die Idee gekommen ist durch die Isar auf Arbeit zu pendeln, hat Benjamin David, Vorsitzender des Isarlust e.V., mit detektor.fm-Moderatorin Marie Landes besprochen.

MünchenIch bin da jetzt nicht mehr alleine, sondern treffe immer mal wieder Leute, die auch die Isar herunter treiben. Und wir grüßen uns freundlich und freuen uns, dass wir da unten Ruhe haben, während oben das Verkehrschaos tobt.Benjamin Davidist nicht mehr der Einzige, der die Isar als Transportweg benutzt. 

Redaktion: Josefine Farkas