Stadtgespräch | Pirmasens: Chinesische U20-Auswahl in der Regionalliga

Importierter Fußball aus Fernost

28.06.2017

Eine U20-Auswahl aus China soll in der kommenden Saison in der Regionalliga Süd-West mitspielen. Die Vereine der Liga bekommen einen saftigen Bonus und freuen sich. Von außerhalb gibt es auch Kritik.

Fußballfreundschaft

Schon seit mehreren Jahren unterstützt Deutschland in China die Entwicklung des Fußballs. Jetzt kommt die fußballerische Entwicklungshilfe allerdings zu einem kuriosen Höhepunkt: In der Regionalliga Süd-West wird in der kommenden Saison eine U20-Auswahl aus China mitspielen. Die Fußballer aus Übersee möchten sich damit auf die Olympischen Spiele 2020 vorbereiten. Das Vorhaben entstammt laut n-tv.de einer Zusammenarbeit des DFB, der Deutschen Fußballliga (DFL) und Vertretern beider Regierungen.

Der chinesische Fußball stürmt auf den deutschen Fußballmarkt. Das ist verständlich, dass da irgendwas in irgendeiner Form kommt. Aber es darf doch nicht ein 20. Startplatz blockiert sein, für uns, die einen fairen Antrag gestellt haben. – Karsten Volberg, Vorstand FK Pirmasens

Die Mannschaft wird nicht in der Tabelle aufgeführt, bestreitet aber wie alle anderen Teams je ein Hin- und Rückspiel gegen alle Regionalligisten. Beide Spiele finden auf dem Rasen der entsprechenden deutschen Mannschaft statt. Dafür bekommen die Vereine einen Bonus zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Die Chinesischen Profis schlagen ihr Lager in der Nähe von Heidelberg auf.

Regional ist das nicht

Da die Regionalliga Süd-West aus 19 Mannschaften besteht, hat jede Mannschaft zwei mal pro Saison spielfrei. An diesen Tagen treten sie künftig gegen die chinesischen Jungprofis an. Das sei auch gut für die deutschen Mannschaften, die dadurch nicht aus dem Rhythmus kämen. Die Liga habe sich geschlossen für das Vorhaben ausgesprochen.

Doch Fußballdeutschland spaltet sich. Während der Präsident des FC Astoria Walldorf, Wilhelm Kemp, von der „tollen Idee“ begeistert ist, gibt es heftigen Gegenwind. Nicht nur der direkt betroffene FK Pirmasens ärgert sich, die Kollegen von Rot-Weiß Essen äußern sich deutlich.

Wir haben das Gefühl, dass der DFB nicht mehr erkennt, wo die Grenze der Kommerzialisierung liegt. – Michael Welling, Präsident vom West-Regionalligisten Rot-Weiß Essen gegenüber Eurosport.

Das Internet spottet

Nicht nur offizielle Vereinsvertreter melden sich zu Wort. Inzwischen geht es auch auf verschiedenen Medienplattformen rund. Ebenfalls Rot-Weiß Essen bewirbt sich mit einem Post für die Bundesligasaison 2018/19, gerne auch mit Gegnern aus der Karibik.

 

Auch Rot-Weiß Oberhausen hat einige – vermutlich nicht ganz ernst gemeinte -Ideen, wie der DFB die Fußballfreundschaft mit China vertiefen könnte.

Der FK Pirmasens ist einer der sechs Absteiger der Regionalliga. Noch bevor die Pläne um die Eingliederung der chinesischen Nachwuchsmannschaft bekannt wurde, hatten die Westpfälzer eine Aufstockung der Liga beantragt. Inzwischen ist aber bekannt, dass das nicht passieren wird.

Im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Marie Landes erklärt der Vorstand des FK Pirmasens Karsten Volberg, welche Chancen eine solche Entwicklung mit sich bringt und warum das aber für Vereine wie seinen ärgerlich ist.

RegionalligaWir wurden vertröstet, dass der Chinaplan noch gar nicht abgesegnet war. Das war aber alles eine Farce: Der chinesische Verein ist letzte Woche schon gelandet, hat gestern schon sein erstes Testspiel gemacht.Karsten Volbergist im Vorstand des FK Pirmasens. 

Redaktion: Barbara Butscher