Stadtgespräch | Weltstadt Gartz

Ausländer rein!

20.09.2017

Die Uckermark ist für vieles bekannt – nein, eigentlich nicht. Aber die Gemeinde Gartz an der Oder macht jetzt von sich reden. Um den demografischen Wandel aufzuhalten, hat sie sich für Zuwanderer aus Polen geöffnet. Und das zahlt sich aus.

Altes Gartz

46,1 Jahre. So alt ist der Durchschnittseinwohner der Gemeinde Gartz. Damit gehört Gartz zu den ältesten Gemeinden in Deutschland – und hat damit ein demografisches Problem. Wie ihr geht es vielen Städten in den ländlichen Regionen, besonders in der Uckermark.

Seit 1990 geht die Einwohnerzahl der Gartzer Gemeinde stetig zurück. Denn die jungen Menschen suchen oft Arbeit in den Großstädten, weshalb es auch keinen Nachwuchs gibt. Zumindest war das so. Aber der Stadt Gartz ist es gelungen, eine Lösung zu finden.

Attraktives Land

Die Gemeinde liegt an der polnischen Grenze, direkt dahinter befindet sich Stettin. Diese Nähe zur polnischen Großstadt kommt Gartz sehr gelegen, denn: Wer in ruhiger und historischer Gegend auf dem Land wohnen, aber trotzdem in der Stadt arbeiten will, findet hier das Paradies.

Die Kinder gehen in Gartz und Umgebung zur Schule. Dort wird gesonderter Deutschunterricht für die Kinder polnischer Eltern geboten. Dadurch soll auch die zweisprachige Erziehung gefördert werden. Nicht zuletzt sprechen auch die niedrigen Bodenpreise diesseits der Oder für einen Umzug nach Deutschland. Seit 2010 kommen deshalb immer mehr Polen in die Kleinstadt. Sie sind so integriert, dass sie kaum noch wegzudenken sind.

Zum Anfang ist das sicherlich auch kritisch begutachtet worden, aber die Menschen vor Ort haben eben begriffen, welche Vorteile das für sie hat. – Frank Gotzmann, Amtsdirektor von Gartz

Mehr Menschen

Weil auch die neuen Bewohner Wohnraum und Erziehungs- oder Bildungseinrichtungen brauchen, verbessern sich die Bedingungen. Klar, dass das immer mehr Menschen anzieht ein Kreislauf.

Wir haben in diesem Jahr vier erste Klassen gehabt und das ist für den ländlichen Raum schon eine beachtliche Zahl. – Frank Gotzmann

Auch die einheimischen Kinder profitieren davon. Die Kapazitäten sind ausgelastet, deshalb muss nicht mehr an Lehrerpersonal und der Erziehung gespart werden. Ab nächstem Jahr will man sogar auch den deutschen Kindern anbieten, Polnisch zu lernen.

Wie es zu dem starken Zuzug kam, hat der Amtsdirektor von Gartz, Frank Gotzmanndetektor.fm-Moderator Christian Eichler im Interview erklärt.

Wenn sich jemand an uns wendet – und da ist es egal, ob der aus Polen oder Berlin ist – wollen wir ihm offen gegenüberstehen und in seinem Anliegen unterstützen. Frank Gotzmannist Amtsdirektor von Gartz. 

Redaktion: Dorothea Günther