Städtebaulicher Wettbewerb gegen Gentrifizierung

Wie geht urban?

18.12.2017

Berlin-Kreuzberg, Hamburger Schanze oder Düsseldorf Flingern: diese Viertel sind alle schick, hip – und zunehmend unbezahlbar. In den Randgebieten hingegen sieht es ganz anders aus. Wohnraum ist verfüg- und bezahlbar, aber wer will da hin? Ein städtebaulicher Wettbewerb bietet Lösungsansätze.

Gentrifizierung: schön und unbezahlbar

Wohnraum in den Ballungszentren der Städte wird immer knapper und damit teurer. Trotzdem ist für viele Menschen ein Umzug raus aus den Zentren nicht vorstellbar. Grund dafür ist unter anderem, dass Randgebiete und strukturschwache Viertel nicht mit den Vorzügen von modernen Gegenden mithalten können. Es geht um Urbanität.

Doch wie wäre es, urbanes Leben außerhalb der stark nachgefragten Gebiete zu ermöglichen? Ein städtebaulicher Wettbewerb befasst sich genau mit dieser Frage.

Wir entwickeln neue Stadtteile in Nachbarkommunen, die […] insbesondere den Druck aus der Kernkommune hinausnehmen. […] Dazu ist es eben nicht nur notwendig, neue Flächenpotenziale aufzuzeigen, sondern innerhalb dieser Flächenpotenziale auch weitere urbane Qualitäten anzubieten, die essentiell notwendig sind für die Entwicklung eines neuen Stadtteils. – Johannes Ringel, Juryvorsitzender des Wettbewerbs

Eine mögliche Antwort auf die Gentrifizierung könnte also sein: Auf ins Randgebiet.

Städtebaulicher Wettbewerb „Wachstum in Kooperation“

Bei dem studentischen Ideenwettbewerb „Wachstum in Kooperation“, der von der NRW-Bank ausgeschrieben wurde, geht es nicht darum, aufs Land zu ziehen. Die Initiatoren wollen Konzepte und Entwürfe fördern, die innerhalb der Städte, aber außerhalb der Ballungszentren angesiedelt sind.

Also zum Beispiel: Duisburg und Düsseldorf in direkter Nachbarschaft, beide Städte im Strukturwandel. Die eine im Moment stark wachsend und die andere mit Flächenvorhaltung aus dem Strukturwandel. Stadtgrenze an Stadtgrenze, da gibt es so viele Kooperationsmöglichkeiten. – Johannes Ringel

Doch wie schafft man zeitgemäßen, attraktiven Wohnraum in abgehängten Vierteln? Wie transferiert man Urbanität auf bisher von der Stadtentwicklung eher unbeachteten Raum? Über diese Fragen und die Entwürfe der Studierenden hat detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop mit Johannes Ringel gesprochen. Er ist Institutsdirektor und Professor für Stadtentwicklung an der Universität Leipzig und Jury-Vorsitzender des Wettbewerbs.

Portrait Johannes RingelNeue Flächen im Umland zu versiegeln, kann nicht das Ziel zukünftiger Stadtentwicklung sein. Wir brauchen stabile, dichte, urbane Kernregionen und Kernstädte und dazu eben das stabile Umland.Johannes Ringelist Architekt und Jury-Vorsitzender des Wettbewerbs. 

Redaktion: Julia Rosner