Standortfragen: Wo sind geeignete Unterkünfte für Flüchtlinge?

Flüchtlinge aufs Land? Nein, sagt Soziologe Jürgen Friedrichs.

24.07.2015

Nach Ausschreitungen wie in Tröglitz oder Freital ist es noch wichtiger geworden, geeignete Unterkünfte für Flüchtlinge zu finden. Wo sind sie am besten aufgehoben - in ländlichen Regionen oder doch eher in der Stadt?

Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen – diese Bundesländer sind nicht nur dünner besiedelt als andere, hier gibt es auch jede Menge freier Grundstücke und Wohnungen zum Leben. Praktisch, findet der baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen).

So könne man doch die ankommenden Flüchtlinge auf die ländlichen Regionen in Ostdeutschland verteilen. Ob es die richtige Lösung ist, Flüchtlinge fern von großen Städten und isoliert von der Gesellschaft unterzubringen, ist fraglich.

Wohngebiete der Mittelschicht sind geeignet 

Auch der Soziologe Jürgen Friedrichs widerspricht dem Vorschlag des grünen Ministerpräsidentens. Er beschäftigt sich schon seit langem mit der Migrationsforschung und ist der Meinung , dass in Wohngebieten, in denen viele Menschen der Mittelschicht wohnen, Flüchtlingsheime zukünftig am ehesten entstehen sollten.

Bei der Mittelschicht kann man davon ausgehen, dass sie Personen gebildeter sind. Und wir wissen, je schlechter es jemandem ökonomisch geht und je weniger er gebildet ist, desto eher fühlt er sich von fremden Migranten bedroht. Deswegen bin ich dazu gekommen, dass es Mittelschichtgebiete sein müssen. – Jürgen Friedrichs, Soziologe an der Universität zu Köln.

Flüchtlingsunterkünfte in Städten

Laut Friedrich sei es insgesamt sinnvoll Flüchtlinge eher in Städten als auf dem Land unterzubringen. Denn dort gibt es funktionierende Infrastrukturen mit Einkaufmöglichkeiten, Spielplätzen und Schulen. Doch viele Städte wie Berlin sind überfordert von der steigenden Flüchtlingszahl.

Wie man das lösen kann und welche Faktoren wichtig sind, damit Flüchtlinge gut und sicher untergebracht sind, hat detektor.fm Moderatorin Teresa Nehm mit dem Soziologen Prof. Dr. Jürgen Friedrichs gefragt.

beschäftigt sich schon lange mit Gentrifizierung.Die Flüchtlinge sind nun einmal da und wir können sie ja nicht einfach ignorieren. Es muss ganz andere politische Maßnahmen geben, um das Unglück zu verhindern, das über die Menschen hereingebrochen ist. Jürgen Friedrichsist Professor am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität zu Köln. 

Redaktion: Nasti Neher