Studie zu emotionalen Folgen von Arbeitslosigkeit

Job weg - Glück auch

19.08.2016

Soziologen haben erstmals die Wirkung von Arbeitslosigkeit auf spezifische Emotionen untersucht. Ergebnis: Wer einmal seinen Job verliert, dessen Lebenszufriedenheit wird danach nicht wieder so hoch, wie vor dem Verlust. Langzeitarbeitslose trifft das besonders hart.

„Sparmaßnahmen“ – ein Wort, vor dem so ziemlich jeder Arbeitnehmer Angst, zumindest aber Respekt hat. Denn wenn die den eigenen Arbeitsplatz treffen, bedeutet das: Arbeitslosigkeit. Sie kann der Beginn einer Abwärtsspirale sein.

Arbeit ist das halbe Leben

An dem Spruch ist wohl was dran. Arbeit schafft einen sozialen Raum, in dem man mit Menschen agieren und kommunizieren muss. Arbeit bringt Selbstvertrauen, Zuspruch, Anerkennung. Arbeit ist sinnstiftend und Identität gebend.

Auch gesellschaftliche Zugehörigkeit wird über den Job definiert. Wer arbeitet, ist Teil einer Gruppe: die Arbeiter, die Ärzte, die Richter, die Wissenschaftler, die Pfleger und so weiter. Auch eine Umfrage aus dem Jahr 2015 der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem GfK-Verein hat bereits gezeigt: Selbst nach einem hohen Geldgewinn würden 55 Prozent der Befragten weiter arbeiten gehen. Arbeit scheint also einen wichtigen Teil im Leben auszumachen.

Leben ohne Arbeit

Was aber passiert mit Menschen, die für eine längere Zeit ohne Arbeit sind? Für Außenstehende mag das schön klingen: viel Freizeit; kein Chef, der nervt; aufstehen, wann es gefällt. Auf lange Sicht aber kann Arbeitslosigkeit psychisch sehr zermürbend sein.

Das Gefühl, keine Aufgabe zu haben, kann aufkommen. Auch soziale Ausgrenzung kann eine Folge sein. Wer erzählt auf einer Party oder im Freundeskreis schon gerne, dass er arbeitslos ist?

Es ist so, dass der Verlust des Arbeitsplatzes offensichtlich nachhaltige Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit hat. – Christian von Scheve, Professor für Soziologie an der FU Berlin

Auch die Gefühle verändern sich. Welche Auswirkungen Arbeitslosigkeit auf Emotionen wie Angst, Trauer, Ärger und Glück hat, haben Berliner Soziologen in einer Studie untersucht.

Zuhilfe genommen haben sie dazu das sozio-ökonomische Panel. Das ist eine vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung beauftragte, regelmäßig durchgeführte Befragung von etwa 11.000 Privathaushalten in Deutschland. Diese Befragung findet seit über 30 Jahren statt und befragt werden immer die gleichen Menschen, wodurch Langzeitstudien möglich sind. Für diese Studie wurden die Daten von 2007 bis 2014 herangezogen und ausgewertet.

Über diese Studie zur Lebenszufriedenheit von Langzeitarbeitslosen hat detektor.fm-Moderatorin Jennifer Stange mit dem Soziologen Christian von Scheve gesprochen. Er ist einer der Autoren der Studie.

Christian von Scheve ist Soziologe an der FU BerlinWir müssen uns von der Vorstellung des normalen Arbeitsverhältnisses, von dem man sich ein gutes Leben aufbauen kann, verabschieden.Christian von Scheveist Professor für Soziologie an der FU Berlin. 

Redaktion: Maren Schubart