Tag der Bibliotheken | Engagement für Flüchtlinge

Bücherkisten und Gesprächsgruppen

23.10.2015

Am 24. Oktober ist Tag der Bibliotheken. Anlässlich dieses Ehrentages laden sie mit eigenen Angeboten auch geflüchtete Menschen ein, helfen aber schon länger bei der Integration und beim Deutschlernen.

Bibliotheken helfen mit wenig Bürokratie

„Asylbewerber sollen unsere Häuser als Orte der Begegnung und Bildung kennenlernen“, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Bibliotheksverbands, Barbara Schleihagen. „Denn in den ersten Wochen haben die Ankommenden ja oft sehr viel Zeit, weil sie auf die Bearbeitung ihres Asyl-Antrages warten. Sie verfügen aber nicht immer über das Geld, um diese Zeit gut zu nutzen, um sich beispielsweise fortzubilden.“

In den Bibliotheken in Deutschland haben die Besucher tagsüber kostenlos Zugang zu Lernmedien für Sprachen und zu Zeitungen aus aller Welt. Etliche Einrichtungen bieten auch freies WLAN.

ZumVerband gehören etwa 2.100 Bibliotheken, von denen viele derzeit auch nach unbürokratischen Lösungen suchen, um Flüchtlingen darüber hinaus die Ausleihe von Medien zu ermöglichen. Denn normalerweise ist dafür ein Nutzerausweis nötig, für den man wiederum eine Meldebestätigung vorlegen muss. Darüber verfügen die Ankommenden natürlich zunächst nicht.

Viele Bibliotheken suchen dafür Sponsoren oder bieten Schnupper-Mitgliedschaften an. – Barbara Schleihagen vom Deutschen Bibliotheksverband.

Vorreiter eines kostenfreien Nutzerausweises war im Übrigen der Verbund Öffentlicher Bibliotheken Berlin.

Spezielle Angebote für Flüchtlinge

Darüber hinaus gibt es vielfältige Spezialangebote für Flüchtlinge:

In den Bücherhallen Hamburg können Zuwanderer jede Woche in 80 Gesprächsgruppen gemeinsam Deutsch sprechen und dabei andere Hamburger kennenlernen. Die Themen dabei sind meist Berufschancen, Hobbys, Kindererziehung. Diese Gesprächskreise werden von Ehrenamtlichen geleitet, die speziell ausgebildet sind und fortlaufend geschult werden. Die Teilnahme ist kostenlos.

In Köln eröffnet am 31. Oktober auf Initiative der Stadtbibliothek der „Sprachraum“ – ein Kommunikations- und Informationsort für Menschen jeder Herkunft. Dort sollen Vorträge für Flüchtlinge gehalten werden, die sich beispielsweise über Arbeitsbedingungen in Deutschland oder auch gesunde Ernährung informieren möchten.

Wir legen Wert auf die Nachhaltigkeit unseres Angebots. – Markus Volz von der Stadtbibliothek Köln

Die Stadtbibliothek Bremen stellt den Übergangswohneinrichtungen für Flüchtlinge sogenannte Medienboxen zur Verfügung. Darin enthalten sind jeweils 40 bis 50 verschiedene Bücher, deren Texte sowohl in Deutsch als auch zum Beispiel in Arabisch abgedruckt sind.

Die Internationale Jugendbibliothek München hat einen Workshop für Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 12 konzipiert. Dabei begegnen sich Regelschüler und solche aus sogenannten Übergangsklassen, also Kinder und Jugendliche, die gerade erst in Deutschland angekommen sind. Die Teilnehmenden zeichnen eigene Comics zum Thema Migration.

Uns ist diese Begegnung auf Augenhöhe enorm wichtig. – Carola Gäde von der Internationalen Jugendbibliothek München

In Magdeburg bietet die Stadtbibliothek regelmäßig ein Bilderbuch-Kino für Kinder (und deren Eltern) an. Dazu werden Illustrationen verschiedener Kinderbücher an die Wand projiziert und in deutscher, englischer und französischer Sprache vorgelesen.

Welche Angebote die Bibliotheken für geflüchtete Menschen in Deutschland haben, darüber hat detektor.fm-Reporterin Insa van den Berg mit Moderatorin Constanze Müller gesprochen.