Telemedienauftrag

Das Kriegsbeil ist begraben

15.06.2018

Für eine lange Zeit schwelte zwischen den Anstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und den Zeitungsverlagen ein erbitterter Streit. Dank des erneuerten Telemedienauftrags ist das nun vorbei.

Zankapfel Presseähnlichkeit

Jahrelang haben sich die Anstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit den deutschen Verlegern gestritten. Zu „presseähnlich“ war den Zeitungsmachern das Onlineangebot von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Das umfangreiche Textangebot hat aus der Sicht der Verlage den Wettbewerb verzerrt. Gerade weil die Öffentlich-Rechtlichen durch den Rundfunkbeitrag gefördert würden. Zeitungen hingegen müssten sich durch Verkäufe finanzieren.

Streit um eine App

Vor allem die Tagesschau-App war den Verlegern ein Dorn im Auge. Elf Verlage hatten wegen der „Presseähnlichkeit“ der Nachrichten in Textform geklagt. Das Oberlandesgericht in Köln hat 2016 den Verlagen Recht gegeben: Die App sei unzulässig. Zumindest in der dem Gericht vorliegenden Version.

Schlichtung durch Trennung

Dieser Streit ist nun zu Ende. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin haben Vertreter aus Rundfunk, Presse und Politik gestern eine Lösung präsentiert, mit der beide Seiten leben können. Der erneuerte Telemedienauftrag soll die Grenzen zwischen Rundfunk und Berichterstattung in Textform klarer trennen. Die Sender sollen sich vermehrt auf Ton- und Videobeiträge konzentrieren. Längere Texte jedoch bleiben den Zeitungen vorbehalten. Dadurch sollen sich die Angebote mehr von einander abheben.

Man muss sich immer überlegen, ist das Thema so relevant, dass man dem jetzt auch im wahrsten Sinne des Wortes tatsächlich Sendezeit verleiht, und nicht nur eine kleine Meldung im Netz macht. – Daniel Bouhs, Medienjournalist

Der neue Telemedienauftrag: „Nur Gewinner“

„Nach langem Ringen sitzen heute nur Gewinner am Tisch“, hat Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, nach dem Treffen am Donnerstag resümiert.

Dass die Verleger mit diesen Kompromissen glücklich sind, ist wenig überraschend. „Ab jetzt können wir wieder das Gemeinsame betonen. Darauf freue ich mich“, so Mathias Döpfner, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Und auch auf Seiten der Öffentlich-Rechtlichen ist man zufrieden. Und das, obwohl sich ihr Onlineangebot nun maßgeblich ändern könnte.

Wie die Änderungen im Detail aussehen und was sie für Leser, Hörer und Zuschauer, aber auch Journalisten bedeutet, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop mit Daniel Bouhs gesprochen. Er ist freier Medienjournalist und arbeitet unter anderem für die taz und das NDR-Medienmagazin ZAPP.

daniel bouhsOb sich tagesschau.de überhaupt jetzt nach diesem Kompromiss verändert, ist völlig offen. Daniel Bouhsist Freier Medienjournalist und veröffentlicht unter anderem in der taz und im NDR-Medienmagazin ZAPP. 

Redaktion: Sebastian Ernst