Tourismus im Zwielicht | Weiblicher Sextourismus

Das Phänomen "Sugarmama"

04.08.2015

Immer mehr Frauen aus westlichen Länder reisen nach Kenia, Kuba oder Thailand in den Liebesurlaub. An Touristenstränden begegnen sich ältere Frauen und junge Männer - der weibliche Sextourismus boomt. Das Phänomen ist bisher jedoch noch wenig erforscht und eher unbekannt.

Sextourismus ist schon länger kein unbekanntes Thema mehr. Meistens wird er mit älteren Herren in Verbindung gebracht, die sich in Thailand oder Kuba mit jungen Frauen vergnügen.

Doch mittlerweile boomt auch der weibliche Sextourismus. Ältere Frauen lassen den Alltag hinter sich und reisen in ferne Länder, um Sex- und Liebesabenteuer zu erleben. Doch lässt sich der weibliche mit dem männlichen Sextourismus nur bedingt vergleichen.

Die meisten, die dem weiblichen Sextourismus folgen, sind diejenigen, die zu Hause nicht diesen Lebenspartner finden, mit dem sie die Welt teilen können. Das unterscheidet sich vom männlichen Sextourismus, wo es eben mehr um die reine Erfüllung der Triebe geht. – Christian Buer, Touristikexperte an der Hochschule Heilbronn.

Die Bezahlung spielt zunächst keine Rolle

Während Männer häufig eindeutigen Bezahl-Sex suchen, gehen Frauen eher eine Urlaubsbeziehung ein. Die Grenzen zwischen Sextourismus und Urlaubsflirt sind verschwommen. Das Kennenlernen findet am Strand oder in einer Bar statt, wo die Frauen von den jungen Männer umgarnt werden.

Geld spielt hier noch keine Rolle. Die Bezahlung erfolgt oft nicht direkt, sondern durch Aufmerksamkeiten wie ein Mobiltelefon, ein Moped oder Kleidung. Frauen, die Sextourismus betreiben, sehen sich nicht als Freier, sondern als Helferinnen, da sie häufig auch bereit dafür sind, Geld für die Familien der Männer zu geben.

Der Einsamkeit in der Heimat entkommen

Jüngere Sextouristinnen sind selten zu finden; öfter sind es Witwen, die sich auf den Weg in den Liebesurlaub machen. Bevorzugte Ziele sind Ostafrika, Kuba und mittlerweile auch Thailand. In diesen Ländern wird dieser Tourismus geduldet, aber offen wird darüber nicht gesprochen.

Frauen gehen damit subtiler um, weil sie insbesondere nicht nur für den kurzen Moment einen Partner suchen, sondern für den Aufenthalt dort. Ich bin vielleicht ein, zwei Wochen im Urlaub und habe einen Partner, der mich stillschweigend begleitet. Aus diesem Grund fällt es auch nicht so auf. –  Christian Buer, Touristikexperte an der Hochschule Heilbronn

Über weiblichen Sextourismus hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel in der Serie „Tourismus im Zwielicht“ mit Christian Buer gesprochen. Er ist Touristikexperte und Professor an der Hochschule in Heilbronn.

Weiblicher Sextourismus in Kenia, Kuba oder Thailand

Prof.Dr.Christian-BuerDer weibliche Sextourismus hat den Fokus, individuelle Bedürfnisse zu befriedigen, die letztlich sogar auch aus dem Alltag kommen. Prof. Dr. Christian Buerist Touristikexperte und Professor an der Hochschule Heilbronn.  

Redaktion: Nasti Neher