Transplantationen nach dem Organspende-Skandal

Ist eine Organspende immer die einzige Lösung?

12.04.2014

Nach den Manipulationen bei der Organvergabe haben viele einen Rückgang der Spenderzahlen befürchtet. Die Spenderzahlen sind tatsächlich zurückgegangen, doch gleichzeitig setzen die Ärzte auch immer weniger Patienten auf die Wartelisten. Hat der Skandal die Ärzte im Umgang mit Organspenden sensibilisiert - oder ist das zu viel Vorsicht?

Die Bereitschaft zur Organspende ist seit dem Transplanationsskandal gesunken. Foto: © AFP | Brendan Smialowski

Ärzte sollen Krankheitssymptome erfunden und Patientenakten gefälscht haben, damit Patienten ein Spenderorgan bekommen. Das sind die Vorwürfe, die im Organspende-Skandal gegen Mediziner aufgekommen sind.  Die Skepsis in der Bevölkerung wächst gegenüber der Praxis der Organspende.

Weniger Patienten warten auf ein Spenderorgan

Vor zwei Jahren hat dieser Skandal Deutschland erschüttert. Heute spenden weniger Menschen Organe, doch auch die Wartelisten werden kürzer. Jahrzehnte lang waren durchschnittlich ca. 12.000 Menschen auf einer Warteliste für eine Organgtransplantation. Im letzten Jahr sank die Zahl laut der Stiftung Eurotransplant auf 10.784.

Sensibilisierung im Umgang mit Organspenden

Diese Entwicklung kann im Zusammenhang mit dem Organspende-Skandal und den veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen gesehen werden. Nach dem Skandal vor zwei Jahren setzen Ärzte immer weniger Menschen auf eine Warteliste und diskutieren vermehrt über alternative Behandlungsmethoden.

Ob das die richtige Reaktion auf den Skandal ist und wie sich das auf die Patienten auswirkt, darüber haben wir mit Björn Nashan vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gesprochen. Er ist Spezialist für die Übertragung von Organen.

Prof. B. Nashan"Jetzt findet endlich mal auf gesellschaftlicher Ebene, gedeckt durch die Politik, eine entsprechende gesellschaftliche Diskussion zu dem Thema statt. Das ist ein ganz wichtiger Punkt."Björn Nashan ist Spezialist für die Übertragung von Organen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf