Werden Abtreibungsgegner radikaler?

"219a ist erst der Anfang"

21.09.2018

Frauenärztinnen vor Gericht, radikale Flyer vor Arztpraxen und Holocaust-Vergleiche: Die Debatte um eine mögliche Abtreibungsreform wird mit aller Härte geführt. Werden Abtreibungsgegner in Deutschland radikaler?

Die Taktiken der Abtreibungsgegner

Die Abtreibungsdebatte dreht sich in Deutschland meist um den Paragrafen 219 a – das Verbot von Werbung für Schwangerschaftsabbruch. Insbesondere der Prozess gegen die Frauenärztin Kristina Hänel hat die Diskussion befeuert. Sie war für einen Hinweis auf die Behandlung auf ihrer Website verurteilt worden. Ihr Prozess scheint aber auch viele Abtreibungsgegner und -gegnerinnen in ihrer Mission motiviert zu haben.

Erst vor wenigen Tagen hat ein Poster in einer Kölner Buchhandlung für Aufregung gesorgt. Es handelt sich dabei um ein Plakat mit der Aufschrift „Abtreiben macht frei“ – in der Gestaltung stark angelehnt an den Ausdruck „Arbeit macht frei“ aus dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.

Den unsäglichen Vergleich zum Holocaust hat unter anderem auch der radikale Abtreibungsgegner Klaus Günter Annen auf Flugblätter gedruckt und diese dann vor Frauenarztpraxen verteilt. Das kann ihm nun aber gerichtlich verboten werden. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte besagt, dass seine Meinungsfreiheit durch ein Verbot nicht verletzt wurde.  Zuvor hatte Annen in dieser Frage vor deutschen Gerichten gewonnen.

Holzkreuze und Holocaust-Vergleiche

Doch Abtreibungsgegner drucken nicht nur Poster und Flugblätter, sie demonstrieren auch. Beim “Marsch für das Leben” werden am 22. September in Berlin selbsternannte “Lebensschützer” gegen das Recht auf Abtreibung auflaufen. Innerhalb dieser Gruppe finden sich verschiedene Organisationen, jeweils mit unterschiedlichen politischen und religiösen Hintergründen.

Das reicht von evangelikalen Kreisen über konservativ-katholische. Und dann wird es ein wenig unüberschaubar, wer da von rechtspolitischen Gruppierungen mitläuft. Wir wissen, dass Leute aus dem Spektrum der Identitären mitlaufen und dass aus Kreisen der AfD auf jeden Fall dazu aufgerufen wird. Aber ähnliches gibt es auch innerhalb der Lebensschützer-Kreise in der CDU. – Silke Stoeckle, Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung

Gerade bei Veranstaltungen wie dem sogenannten 1000-Kreuze-Marsch verwenden fundamentalistische Christen religiöse Symbole plakativ für ihre Zwecke.

Über die Methoden von radikalen Abtreibungsgegnern hat detektor.fm-Moderatorin Bernadette Huber mit Silke Stoeckle vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung gesprochen.

 

Redaktion: Valérie Eiseler