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Kühlhaus Görlitz, Foto: Paul Glaser
Bild: Kühlhaus von außen | Kühlhaus Görlitz

Überall Industriekultur! | Niedrigschwellige Sanierung

Keine goldenen Wasserhähne

Wenn die Kreativwirtschaft Industriebrachen umnutzen und wiederbeleben will, müssen die professionell hergerichteten Räume auch preiswert sein. Deshalb darf die Sanierung nicht so viel kosten. Wie hat das beim Kühlhaus Görlitz und beim Tapetenwerk in Leipzig funktioniert? Und was ist eigentlich der Bauteilkatalog?

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„Überall Industriekultur!“ Der detektor.fm-Podcast zum Jahr der Industriekultur 2020. Eine Kooperation mit der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Ein Loch im Zaun – so beginnt die Geschichte 2006. Danilo Kuscher und sein Freundeskreis sind auf der Suche nach einer Location für Technopartys. Am Stadtrand von Görlitz entdecken sie das alte Kühlhaus, das seit über einem Jahrzehnt verfällt. Wenige Jahre später ist die riesige, sandfarbene Stahlbetonkonstruktion, wo früher Lebensmittelreserven der DDR gekühlt wurden, ein überregional bekanntes Kreativ- und Kulturzentrum. Touristinnen und Touristen trifft man hier ebenso wie Solo-Selbstständige oder Start-ups, die im Kühlhaus Räume anmieten können.

Kühlhaus Görlitz: kultureller und künstlerischer Begegnungsraum

Möglich war das einerseits durch den Eigentümer, der von dem Konzept überzeugt war und die schrittweise Sanierung des Kühlhauses finanzierte. Aber auch weil andererseits das handwerklich begabte Team kostengünstig ausbaute.

Uns ist es sehr wichtig, dass wir alles so ursprünglich lassen, wie es hier war. Da wird vielleicht mal ein grauer Strich an die Wand gemacht, aber es wird auf gar keinen Fall durchrenoviert.

Danilo Kuscher, Kühlhaus Görlitz

Danilo Kuscher, Kühlhaus Görlitz

Neu gekauft wurden nur Sachen, die sicherheitsrelevant sind, wie zum Beispiel eine Feuertreppe.

Sanierung im Tapetenwerk Leipzig: keine goldenen Wasserhähne

Ähnlich funktioniert das auch im Tapetenwerk in Leipzig, wo Künstler, Designer oder auch Architekten ihre Räume haben. Eigentümerin und Architektin Jana Reichenbach-Behnisch hat zuvor 20 Jahre lang auf der grünen Wiese und vor allem neu gebaut. Sie und ihr Mann hätten auch goldene Wasserhähne anbringen können, das sei hier aber nicht gefragt gewesen.

Das Prinzip, was wir hier im Tapetenwerk fahren, also alles, was man irgendwo ausgebaut hat, wieder an einer anderen Stelle einzubauen, ist definitiv nicht neu. Aber wir gehen’s hier konsequent an, weil wir auch wissen, dass unser Nutzerklientel das haben will.

Jana Reichenbach-Behnisch, Tapetenwerk Leipzig

Jana Reichenbach-Behnisch, Tapetenwerk Leipzig Foto: Kirsten Nijhof
Tapetenwerk, Foto: Wolfgang Schneider, Tapetenwerk

Foto: Wolfgang Schneider, Tapetenwerk

Zudem hat ein Team um Jana Reichenbach-Behnisch in jahrelanger Forschungsarbeit untersucht und dokumentiert, wie aus Industrieanlagen kreative Produktionsstätten werden, und mit einem Bauteilkatalog ist ein entsprechendes Handbuch für die Praxis entstanden.

Über diesen Bauteilkatalog und das Tapetenwerk spricht detektor.fm-Redakteur Stephan Ziegert mit Jana Reichenbach-Behnisch.

Danilo Kuscher vom Kühlhaus Görlitz verrät im Interview, wie das Kühlhaus Görlitz saniert wurde und was dort noch alles geplant ist.