Stadtgespräch | Umsiedlung für Tagebau in NRW

Widerstand ist zwecklos

23.11.2016

Saubere Energie sieht anders aus – für den Braunkohle-Abbau im Ruhrgebiet müssen tausende Menschen ihre Häuser verlassen. Im Hambacher Tagebau fördert der Energiekonzern RWE pro Jahr 40 Millionen Tonnen Braunkohle. Derzeit werden fünf Dörfer umgesiedelt, damit der Tagebau ausgeweitet werden kann. Mehr als Tausend Menschen verlieren ihr Zuhause.

Die Umsiedlung passiert da, wo man eher selten hinschaut: Ziemlich in der Mitte zwischen Köln und Aachen liegt der größte Tagebau des Rheinlands. Bis zum Jahr 2040 will RWE in Hambach insgesamt 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle fördern. Das betroffene Gebiet ist 85 Quadratkilometer groß. Das entspricht der halben Stadt Aachen oder 12.000 Fußballfeldern.

Um an die Braunkohle heranzukommen, muss bis zu 450 Meter tief gegraben werden und das ein oder andere Dorf muss weichen. Für die Abbaugebiete Inden und Altdorf, etwa 40 km südlich des Hambacher Tagebaus, wurden bereits in den 1990er-Jahren knapp 3.000 Menschen umgesiedelt. In den letzten zehn Jahren waren in NRW mehr als 5.000 weitere Menschen von Umsiedlungen wegen des Tagebaus betroffen.

1.500 Menschen müssen dem Tagebau weichen

Dieses Jahr stehen fünf Dörfer aus dem Kreis Heinsberg auf der Liste: Keyenberg, Kuckum, Unterwestrich, Oberwestrich und Berverath. Rund 1.500 Menschen sind betroffen. Bereits vor zehn Jahren gründeten Anwohner die Interessengemeinschaft Umsiedlung. Die kritisierte zuletzt im April dieses Jahres bei den Feierlichkeiten zum ersten Spatenstich der Umsiedlung, die Planung sei nicht transparent gewesen und die Bürger seien nicht ausreichend beteiligt worden.

„Sozialverträgliche“ Umsiedlung?

Im Dezember 2010 wurde ein Bürgerbeirat für die fünf Dörfer ins Leben gerufen. Zusammen mit RWE beriet dieser über die Umsiedlung. Vor allem stellt der Bürgerbeirat Informationen für die betroffenen Menschen bereit und beantwortet Fragen. Auf seiner Homepage legt er offen, welche Anliegen von Anwohnern an ihn herangetragen wurden, zum Beispiel seniorengerechtes Wohnen und Grünanlagen. Der Konzern RWE sieht in der Einbeziehung der Betroffenen eine Grundlage für eine „sozialverträgliche Umsiedlung“. Trotz materiellen Ausgleichs ist der Verlust groß, wenn Menschen ihr Zuhause aufgeben müssen.

Aktivisten im Hambacher Forst

Am Hambacher Tagebau kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Umweltaktivisten. Denn neben zahlreichen Dörfern ist auch der Hambacher Forst vom Tagebau bedroht. Aktivisten leben teilweise in Baumhäusern, um gegen die Rohdung des Waldes zu protestieren.

Ob die Betroffenen der Umsiedlung ebenfalls protestieren und wie die Verlegung eines Dorfes eigentlich abläuft, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Sebastian Bauten vom Bürgerbeirat gesprochen.

Sebastian Bauten über die Umsiedlung am Hambacher TagebauEs gibt immer Leute, die darauf bestehen, zu bleiben und sich mit dem Konzern streiten. Man hat aber wenig Chancen, weil der Tagebau mit dem Interesse der Allgemeinheit begründet wird. Sebastian Bautenist Mitglied im Bürgerbeirat von Keyenberg, Kuckum, Unterwestrich, Oberwestrich und Berverath. 

Redaktion: Eva Morlang