#unten – Leben in sozialer Ungleichheit

Da kann man sich nicht rausarbeiten

15.11.2018

Auf Twitter wird derzeit mit #unten über soziale Ungleichheit in Deutschland diskutiert. Menschen teilen dabei Erfahrungen aus ihrem Leben in Armut und die Vorturteile, die ihnen dabei begegnen.

#unten: Alltag in Armut

Fast täglich hören wir in den Nachrichten, wie gut es der deutschen Wirtschaft gerade geht. Umso frappierender ist es, dass in Deutschland, je nach Definition des Begriffs, etwa 12,9 Millionen Menschen in Armut leben. Als arm gilt, wer über weniger als 60% des mittleren Einkommens verfügen kann. Menschen, die hierzulande mit geringem Einkommen leben, erfahren in ihrem Alltag auch heute noch zahlreiche Hindernisse und Vorurteile.

Der Teufelskreis der Aufstiegsideologie

Auf Twitter sind derzeit viele dieser Geschichten unter #unten zu lesen. Ähnlich zu #metoo und #metwo werden auch hier Diskriminierungserfahrungen und Lebenswirklichkeiten geteilt. Ähnlich wie Sexismus und Rassismus, ist auch Armut noch immer ein Tabuthema. Ein großer Teil des Stigmas hängt zusammen mit der falschen Annahme, man könne sich aus eigener Kraft aus dem Dilemma „herausarbeiten“, erzählt auch Katharina Schmitz, Journalistin bei der Wochenzeitung Der Freitag.

Das fängt schon bei der Bildung an. Es wird viel von der Chancengleichheit gesprochen, dabei spielen aber formale Kriterien eine Rolle. […] Das heißt formal haben sie vielleicht die Abschlüsse. Aber es fehlt ihnen das ökonomische, kulturelle und soziale Kapital sich in dieser Welt, die immer noch über Aufstiegsideologien funktioniert, aus der Unterschicht heraus zu arbeiten. – Katharina Schmitz

Geringes Einkommen und der Empfang von Sozialleistungen betreffen bei Weitem nicht nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Und obwohl #unten auf Twitter wohl eine eher beschränkte Zielgruppe erreicht, stoßen die Berichte zumindest eine Debatte an, die auch in Deutschland überfällig ist.

Über #unten und die Folgen sozialer Ungleichheit hat detektor.fm-Moderatorin Helena Schmidt mit Katharina Schmitz  von der Wochenzeitung Der Freitag gesprochen.

schmitzMan spürt förmlich, dass so eine Art Solidariät ensteht. Und auch ein Erkennen: Ach, es ist nicht meine persönliche Schuld! Und die, die "oben stehen" werden natürlich jetzt auch kritisch gefragt, über ihre subtilen Privilegien zu sprechen. Katharina Schmitz schreibt für die Wochenzeitung "Der Freitag" zur #unten-Bewegung. 

Redaktion: Valérie Eiseler