Sexuelle Gewalt auf Festivals

Feiern ohne Übergriffe

26.06.2015

Sommer, Sonne und laute Musik: Festivals locken jährlich Millionen junger Menschen an. Das macht meistens eine Menge Spaß, aber es gibt auch eine Schattenseite. Denn im Alkoholrausch verschwimmen Grenzen, immer wieder gibt es Geschichten von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen.

Eigentlich sollen Festivals Spaß machen. Doch der ist vorbei, wenn Grenzen überschritten werden. Und das, passiert leider auf Festivals immer wieder. Was die meisten Besucher nicht wissen: Sexuelle Übergriffe sind keine Seltenheit und oft genug können sich Betroffene nicht alleine helfen.

Hohe Dunkelziffer

Es ist schwer, die genaue Größenordnung des Problems einzuschätzen: Einige Journalisten sprechen davon, dass Vergewaltigungen auf Festivals eher Einzelfälle sind. Frauen-Notrufe gehen hingegen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Sexualstraftaten sind die, die am wenigsten angezeigt werden. – Alexandra Stigger vom Münchner Frauen-Notruf

Als Reaktion auf einen Artikel des Schweizer Magazins „20 Minuten Schweiz“ haben sich mehrere Frauen gemeldet, die schon entsprechende Erfahrungen gemacht haben.

War am Greenfield Festival 2008 ( war damals 15 Jahre alt), stand etwas weiter von der Bühne weg, da fummelte plötzlich einer an meinem Hintern rum. Richtig eklig war das. Der war total besoffen. Ich habe seine Hände weggeschlagen und das Weite gesucht – anonymer Kommentar auf 20min.ch

Scham und Victim-blaming

Dass Betroffene Übergriffe häufig nicht anzeigen,  hängt einerseits mit Scham zusammen, andererseits fehlt aber auch oft ein Bewusstsein dafür, wo ein Übergriff beginnt. Grundsätzlich stehen die Täter in der Verantwortung, für Alexandra Stigger sind weder „zu leichte Bekleidung“ noch Alkoholgenuss Ausreden für ein solches Verhalten.

Eine Frau muss nackt übers Festival laufen können, ohne dass ihr was zustößt. – Alexandra Stigger vom Münchner Frauen-Notruf

Unterschiedliche Strategien bei Veranstaltern

Wie Festival-Veranstalter mit dem Problem umgehen, ist sehr unterschiedlich. Das große Festival „Rock im Park“ setzt auf eigens geschultes Sicherheitspersonal und Sanitäter. Beim Münchener Oktoberfest gibt es eine eigene Anlaufstelle für Betroffene von sexuellen Übergriffen.

2014 haben die Mitarbeiter der „Aktion sichere Wiesn“ dort 221 Frauen und Mädchen betreut. Andere Festivals haben keine speziellen Konzepte für dem Umgang mit sexueller Gewalt.

Sicher Spaß haben

Doch auch ohne Spezialpersonal können sich Besucher und Besucherinnen von Festivals mit einfachen Tipps schützen. Wie, dass erklärt Alexandra Stigger vom Münchener Frauen-Notruf im Gespräch mit Moderatorin Teresa Nehm.

Alexandra StiggerWas trage ich alles bei mir? Was könnte ich im Notfall brauchen? Mit wem bewege ich mich da? Fühle ich mich mit den Leuten wohl? Wie komme ich wieder nach Hause? Das sollte man durchdenken.Alexandra Stiggerarbeitet beim Münchener Frauen-Notruf. 

Redaktion: Christoph Höland