Kampf gegen Drogen: Viel Repression, wenig Prävention

Drogenpolitik auf Irrwegen?

18.05.2015

Für Ermittlungen, Festnahmen und Haftstrafen wird im Kampf gegen Drogen deutlich mehr Geld ausgegeben als für Prävention. Effektiv scheint das nicht: Die Zahl der Drogentoten steigt auch in diesem Jahr wieder. Recherchen von "Correct!v" zeigen nun: Drogenpolitik produziert vor allem Fragezeichen. Wieviel Geld im Kampf gegen Drogen wohin fließt, und was die Maßnahmen dort bringen, das weiß keiner. Repression statt Prävention - ist dieser Ansatz gescheitert?

Am 21. Mai erscheint er: der neue Drogenbericht der Bundesregierung. Und auch in diesem Jahr ist er kein Grund zur Erleichterung. Die Zahl der Drogentoten ist 2014 wieder gestiegen. 1.032 Tote – das sind etwa drei Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr. Eine Überdosis Heroin ist noch immer die häufigste Todesursache bei Drogensüchtigen. Allerdings nimmt auch die Zahl der Todesfälle nach dem Konsum von Crystal Meth und legalen Substanzen zu. Auch die Anzahl der durch die Polizei erfassten Fälle von Drogenkriminalität ist im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent gestiegen. Mit 276.734 Fällen wurde erstmals wieder das Niveau des Jahres 2005 erreicht.

Viel Geld für Verfolgung…

Der Staat zeigt sich hart: teure Ermittlungen, viele Festnahmen und lange Haftstrafen. Nur: was diese Art der Verfolgung von Drogenkriminalität kostet und wie viel sie bringt, kann scheinbar niemand sagen. Das ist das Ergebins einer umfassenden Recherche von CORRECT!V.

Anfragen an sämtliche zuständige Ministerien auf Bundes- und Länderebene zeigen: Nirgendwo wird dokumentiert, wie teuer die Anti-Drogen-Arbeit von Polizei, Zoll und Justiz insgesamt ist – und welche Erfolge sie verzeichnet.

Auch zu Prävention und Beratung gibt es keine gesammelten Kosten. Nur eines steht fest: für Präventionsarbeit wird deutlich weniger Geld ausgegeben.

…und wenig für Vorbeugung

Für die Deutsche Hauptstelle für Suchfragen (DHS) stellt dabei die Beratung und Behandlung in Deutschland durchaus einen Lichtblick dar. Allerdings verweist die DHS auf die mangelnde Sicherstellung der Finanzierung: Insbesondere die Förderung der Beratungsstellen ist abhängig von Budgets der Kommunen – und seit Jahren werden trotz steigender Kosten die Zuschüsse nicht angepasst.

Wenig überraschend fordert die DHS darum auch eine umfassende Präventionsstrategie, insbesondere im Hinblick auf legale Drogen. Denn in Deutschland sterben 200 Menschen pro Tag an den Folgen von Alkohol, 300 wegen Tabakkonsums. In anderen Worten: an Alkohol- und Tabakkonsum sterben in Deutschland mehr als hundertmal so viele Menschen wie durch den Konsum illegaler Drogen.

Mangel an Präventivmaßnahmen?

Experten fordern seit Jahren den Ausbau der Präventionsarbeit. Ist sie also gescheitert: die aktuelle Drogenpolitik in Deutschland? Das fragt detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm die Journalistin Karen Grass. Sie hat sich als „Daten-Fellow“ beim gemeinnützigen Recherchebüro CORRECT!V im vergangenen Jahr intensiv mit der aktuellen Drogenpolitik befasst und dafür mit Polizei, Suchthelfern und -forschern gesprochen.

KarenNiemand weiß genau, wie viel der Staat für welche Maßnahmen im Kampf gegen Drogen ausgibt.Karen Grassrecherchiert beim gemeinnützigen Recherchebüro CORRECT!V. 

Redaktion: Julia Jirmann