Geflüchtete auf dem Arbeitsmarkt

"Es ist komplexer, als sich das viele vorstellen."

20.06.2018

Rund ein Viertel der 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge hat mittlerweile Arbeit gefunden. Auf welche Probleme stoßen Geflüchtete, die hier Arbeit suchen?

Drei Jahre nach der großen Flüchtlingswelle

Mehr als 800.000 Geflüchtete sind 2015 nach Deutschland gekommen. Für den deutschen Arbeitsmarkt birgt das bis heute eine Menge Chancen, aber auch große Herausforderungen. Denn knapp drei Jahre nach der sogenannten Flüchtlingskrise hat längst nicht jeder Geflüchtete in Deutschland Arbeit gefunden.

Das liegt auch an dem noch immer unklaren Aufenthaltsstatus vieler Geflüchteter. Und darunter leiden nicht nur die Geflüchteten selbst, auch potenzielle Arbeitgeber sind abgeschreckt.

Wir haben bei den subsidiär geschützten Geflüchteten das Phänomen, dass sie nur eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr bekommen. Und das ist natürlich kritisch, weil dann Unternehmen sagen, das ist mir vielleicht zu riskant. – Herbert Brücker, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Initiative von Unternehmern für Geflüchtete

Noch besser weiß das Lisa Fiedler. Sie arbeitet beim Outdoor-Artikel-Hersteller Vaude und ist dort unter anderem für die Unternehmensentwicklung verantwortlich. Vaude selbst engagiert sich schon seit Längerem für die Integration von Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt.

Bis heute haben wir zwölf geflüchtete Menschen bei uns im Unternehmen eingestellt. Und das ist eine schöne Win-Win-Situation gewesen, weil wir da wirklich dringenden Bedarf nach Arbeitskräften und die geflüchteten Menschen dringend einen Job gesucht hatten. – Lisa Fiedler, Unternehmensentwicklung Vaude

Doch waren Flüchtlinge einmal im Betrieb integriert, kam es immer wieder vor, dass Ablehnungsbescheide im Asylverfahren ins Haus flatterten. Die Firma Vaude hatte zu diesem Zeitpunkt aber schon finanziell in ihre neuen Mitarbeiter investiert: ein betriebswirtschaftliches Problem.

Schnell wurde Vaude klar: so wie dem Sportartikelhersteller geht es vielen Firmen in Baden-Württemberg. Unter Federführung von Vaude und der Brauerei Härle entstand so eine Initiative von Unternehmen, die bei der Landesregierung um Innenminister Strobl Klarheit in den Asylverfahren fordert.

Über die Initiative aus Baden-Württemberg und die allgemeine Situation von Geflüchteten auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich detektor.fm-Moderator Christian Erll mit Redakteur Philipp Weimar unterhalten.