Weltflüchtlingstag | „Fremde“ Namen in Deutschland

Ein syrisches Kind namens Angela

20.06.2016

Flüchtlinge bringen neben ihrer Sprache und Kultur auch ausländische Namen mit nach Deutschland. Viele Einwanderer beantragen aber eine Namensänderung oder -eindeutschung. Die Übertragung ins Deutsche ist dabei nicht immer ganz einfach.

Einige geflüchtete Eltern nennen ihre Kinder aus Dankbarkeit Angela Merkel. Andere wählen bewusst traditionelle deutsche Namen, um ihre Integrationsbereitschaft deutlich zu machen. Der häufigste „zugewanderte“ Vorname bleibt jedoch Mohammed. „Fremde Namen“ sehen jedoch anders aus. Gehört doch eine breite Palette an nicht-deutschen Vor- und Familiennamen längst zum deutschen Sprachgebrauch.

Ausländische Namen machen über 50 Prozent unserer Anfragen aus – seit letztem Jahr sind es besonders viele. – Gabriele Rodríguez, Fachberaterin am Namenkundlichen Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung

Von Mohammed gibt es beispielsweise 20 verschiedene Schreibweisen. Mehmet ist die türkische, محمّد [muˈhamð̩] die arabische Form. Namensysteme aus anderen Kulturen weichen häufig stark vom deutschen System ab. Sie sind mit den der Sprache eigentümlichen Akzenten und Häkchen versehen. Die Eindeutschung hängt dabei vom Einzelfall ab.

Tarek, Tareq, Tarik, Tariq oder Tarık?

Bei der Einbürgerung in Deutschland ist es üblich, einen Namen den namensrechtlichen Gepflogenheiten anzupassen. Denn die ausländischen Varianten sind für deutsche Muttersprachler oft wahre Zungenbrecher – Mohammed wird im Islam zurückgeführt auf den Propheten Mohammed. Der trägt allerdings den vollen Namen Abū l-Qāsim Muhammad ibn ʿAbd Allāh ibn ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim ibn ʿAbd Manāf al-Quraschī. Besonders im arabischen Sprachgebrauch bestehen Namen oft aus vielen Bestandteilen. Manchmal gleichen sich Vor- und Nachname. Beim Eindeutschen verändern sich deshalb die Schreibweise und Aussprache, Doppelnamen werden vereinfacht.

Menschen mit ausländischer Abstammung, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, verwenden sogar oft selbst die veränderte deutsche Aussprache ihrer Namen. Deshalb sieht Onomastiker Prof. Dr. Karlheinz Hengst die Angst vor einer „Überfremdung“ durch Zuwanderung als völlig unbegründet. Laut ihm bereichern ausländische Familiennamen die deutsche Sprache sogar.

Fremde Namen: schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Psychische Belastungen und Traumata, aber auch Religionswechsel können Gründe für eine Namensänderung sein. Namen können aber auch benachteiligen: Auf dem Arbeitsmarkt stellt ein ausländischer Name einen echten Nachteil dar – Bewerber finden in Deutschland schwerer einen Ausbildungsplatz. In einer Studie der Robert Bosch Stiftung 2014 musste ein Kandidat mit einem deutschen Namen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, bis er zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Einer mit einem türkischen Namen wurde erst nach sieben Bewerbungen eingeladen. Dabei waren die fiktiven männlichen Bewerber gleich qualifiziert. Ihre Unterlagen wurden für den Versuch an rund 1.800 deutsche Unternehmen geschickt.

Wir hatten Anträge von gebürtigen Deutschen, zum Beispiel von einem Künstler mit dem Vornamen Ali, der den Eindruck hatte, wegen seines Namens keine Aufträge zu bekommen. – Gabriele Rodríguez

Gabriele Rodríguez ist Fachberaterin am Namenkundlichen Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Christian Eichler erklärt sie, warum es so schwierig ist, ausländische Namen ins Deutsche zu übertragen.

Gabriele Rodriguez. Foto: Swen Reichhold/ Universität Leipzig
Philologische Fakultät
Institut für Slavistik / Namenkundliches ZentrumEs gibt einen kollektiven Druck – wenn man merkt, dass man mit einem Namen immer aneckt und er überall Probleme bereitet. Er kann nicht ausgesprochen werden, wird falsch geschrieben, man wird dem falschen Geschlecht zugeordnet zum Beispiel.Gabriele RodríguezFachberaterin am Namenkundlichen Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung. Foto:Swen Reichhold / Universität Leipzig