Wenn der Doktor nichts wert ist | Ein Kommentar

17.01.2014

Neues Jahr, neuer Titelskandal. CSU-Politiker Andreas Scheuer ergänzt die Reihe der Doktoren mit Fragezeichen. Selbst wenn er in seiner Dissertation nicht abgeschrieben haben sollte: den Titel darf er in Deutschland kaum führen. Ein Kommentar.

In einer Doktorarbeit steckt häufig viel Arbeit. Noch mehr, wenn man sie selbst verfasst. Foto: Christian Schnettelker/flickr.com

Was war die Empörung groß: Karl-Theodor zu Guttenberg, damals einer der beliebtesten Politiker, hat bei seiner Dissertation abgeschrieben. Ein Unding, sind die Deutschen doch gern korrekt und genau. Aber nicht nur ein Unding, auch ein tragischer Einzelfall – dachte man.

Von Einzelfall kann langsam keine Rede mehr sein, weitere prominente Enthüllungen folgten: Silvana Koch-Mehrin, Bildungsministerin Annette Schavan, Florian Graf, aber auch Uwe Brinkmann und noch weitere.

Wie kann es sein, dass Politiker die Geschicke Deutschlands lenken sollen, aber noch nicht einmal in der Lage sind, ordnungsgemäß Quellen in einer wissenschaftlichen Arbeit anzugeben?

Ein Kommentar von Rabea Schloz.


Der Kommentar zum Mitlesen:

Schon wieder ist es passiert: ein Doktor in den Reihen der konservativen Partein, der gar keiner ist. Oder zumindest nur ein „kleiner“. Und lange Zeit hat es gar keiner gemerkt. Oder ignoriert. Oder sogar irgendwie erwartet, dass mit dem Prestigetitel etwas faul ist. Aber, man möchte ja niemandem böse Absichten unterstellen.

So auch im nun bekanntgewordenem Falle des CSU-Politikers Andreas Scheuer. Konnte ja keiner ahnen, dass eine deutsche Arbeit an einer Prager Uni vielleicht nicht überall anerkannt wird. Und natürlich konnte man auch nicht vorhersehen, dass die jeweilige Prüfungskommission wissen muss, eine Prüfungskommission zu sein. Kann halt mal passieren. Man möchte ja niemandem böse Absichten unterstellen.

In den vergangenen Jahren haben aber auch andere Politiker bewiesen, dass es halt mal passieren kann. Zwar hat Theodor zu Guttenberg, zum Beispiel, seine Doktorarbeit so eingereicht, dass er rein theoretisch in der Lage wäre, einen Doktor-Titel zu erhalten. Nützt dann aber leider auch nichts, wenn die Arbeit doch nur aus Plagiaten besteht. Nicht anders ist es, ausgerechnet, der Ministerin ergangen, die für die universitäre Ausbildung zuständig war: Annette Schavan. Doch wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Ganz unbewusst seitenweise aus einem Buch abschreiben – das ist doch jedem mal passiert. Man möchte da ja wirklich, wirklich niemandem böse Absichten unterstellen.

Auch nicht dann, wenn man seinen Doktortitel führt, obwohl man gar nichts geschrieben hat. Keinen Satz. Nicht mal eine Überschrift gibt es zu der Doktorarbeit. Sie existiert einfach gar nicht. So passiert bei dem rheinland-pfälzischen CDU-Politiker Kai Schürholt. Aber hat nicht jeder mal in der Not gelogen, um seinen Hals zu retten oder einen Job zu bekommen? Wer hat nicht mal den Lebenslauf frisiert? Kann denn wirklich jeder fließend Japanisch, nur, weil es auf dem Papier steht? Na also. Ein bisschen Flunkern muss doch drin sein. Da muss man niemandem böse Absichten unterstellen.

Komisch ist es natürlich schon, dass solche Schummeleien, Entschuldigung, Faux-Pas, in 9 von 11 Fällen bei CSU, CDU oder FDP vorkommen. Wird denn da gar nicht kontrolliert? Nicht mal bei den Ministern? Ist ein gefälschter Doktortitel vielleicht sogar empfehlenswert, um die politischen Karriereleiter besagter Parteien zu erklimmen? Stellt man dort Leute etwa nach dem Motto ein: „Haben Sie bei Ihrer Dissertation geschummelt? Und gemerkt hat es auch noch niemand? Dann besitzen Sie genau das Talent, das wir brauchen.“? Nicht, dass man hier böse Absichten unterstellen möchte.

Aber fragwürdig ist das ja schon. Kann man aus solchen, nennen wir es „Missverständnissen“ Schlüsse auf die jeweilige Politik ziehen? Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht? Die Wahlergebnisse der jeweiligen Partein, naja, lassen wir die FDP da mal raus, zeigen etwas anderes: Was jucken einen die kleinen Ministerchen, Mutti darf ihren Titel ja behalten.

Doch möchte man wirklich von Menschen regiert werden, für die es anscheinend in Ordnung ist, zu ihrem eigenen Vorteil zu betrügen? Und, schlimmer noch, es dann noch nicht einmal über sich bringen, diesen Fehler zuzugeben? Ich möchte das nicht.