Beate Zschäpe äußert sich im NSU-Prozess

Doch die Fragen bleiben.

30.09.2016

Beate Zschäpe hat sich das erste Mal ohne ihre Anwälte zu den NSU-Morden geäußert. Das, was sie zu sagen hatte, war aber eher ernüchternd, als ein Gewinn für die Opfer. Anwald Sebastian Scharmer berichtet.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Im Fall von Beate Zschäpe trifft dieses Sprichwort allerdings nicht zu. Seit ungefähr dreieinhalb Jahren warten Behörden und Opfer darauf, dass sie Details zu den NSU-Morden preisgibt. Deshalb war es auch nicht sonderlich überraschend, dass selbst ihr erstes öffentliches Statement kaum eine Bereicherung ist.

Zschäpe zeigt keine Reue

Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess hat vor dem Oberlandesgericht München in der Vergangenheit Antworten auf zahlreiche Fragen des Gerichts von ihren Verteidigern vorlesen lassen, doch selbst stets geschwiegen. In einem knappen und recht wage formulieren Text erklärt Zschäpe, dass sie sich von den Verbrechen, die Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt distanziert. Sie sagt, dass sie das Geschehene verurteile, selbst aber nicht an den Morden teilgenommen habe. Sie bereue dennoch ihr eigenes Fehlverhalten. Diese Worte hat sie jedoch bereits über ihre Anwälte immer wieder kommuniziert.

Weiterhin steht sie zu ihrer rechtsradikalen Vergangenheit. Die Verbindung zum Nationalismus fühle sie heute aber nicht mehr. Opfer-Anwalt Sebastian Scharmer vertritt Gamze Kubaşik aus Dortmund. Ihr Vater wurde am 04.April 2006 niedergeschossen. Auch sie hat sich vom heutigen Tag mehr versprochen – nämlich Antworten. Doch Beate Zschäpe weigert sich, die Fragen der Opfer zu beantworten. Ein Anzeichen für Anwald Scharmer, dass sie sich den NSU-Anhängern noch immer verbunden fühlt und frühere Kameraden nicht verraten will.

Meine Mandantin hat täglich Angst, auf der Straße in Dortmund diejenigen zu treffen, die möglicherweise Mittäter oder Helfer dieses Trios des NSU gewesen sind. Diese Situation könnte Frau Zschäpe lösen, indem sie offen spricht. Aber das will sie nicht. – Sebastian Scharmer

Ende in Sicht

Der NSU-Prozess geht nun in seine Endphase. Bereits in drei Wochen soll der psychiatrische Sachverständige sein Profil von Zschäpe vorlegen. Da ihr Geständnis wenig überraschendes enthält, scheint es auch nur einen geringen Einfluss auf den Ausgang der Verhandlungen zu haben. Dennoch wird für dieses Jahr kein Urteil mehr erwartet.

Über das Eingeständnis von Beate Zschäpe und die Bedeutung für die Opfer der NSU-Morde hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Opfer-Anwalt Sebastian Scharmer gesprochen.

Sie will sich auf irgendeine Weise entschuldigen, anderseits streitet sie jegliche Verantwortung ab – zumindest im strafrechtlichem Sinne. Sebastian Scharmer 

Redaktion: Carina Fron