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Bild: Berlinermauer, A. Aleksandravicius | shutterstock
Bild: A. Aleksandravicius | shutterstock

Zurück zum Thema | 30 Jahre Deutsche Einheit

Wie vereint ist die Nachwendegeneration?

30 Jahre deutsche Einheit. Und noch immer halten sich Klischees und Vorurteile hartnäckig. Selbst in den Köpfen der Nachwendegeneration. Wie vereint ist das einige Deutschland und wie werden Stereotype überwunden?

Deutsche Einheit in den Köpfen

Wer nach 1985 geboren ist, dürfte sich kaum an ein getrenntes Deutschland erinnern. Und trotzdem halten sich hartnäckig Klischees: Wer aus dem Westen kommt ist arrogant und im Osten leben nur Nazis. Die Liste der Stereotype ist lang.

Identität ist ein Konstrukt. Man wacht ja nicht auf und plötzlich liegt die eigene Identität neben einem. Da muss ja etwas passiert sein, damit man mal darüber nachdenkt.

Valerie Schönian, Autorin des Buchs „Ostbewusstsein“

Valerie Schönian, Autorin des Buchs "Ostbewusstsein"Foto: Lena Meyer

Vor allem wer aus dem Osten kommt, muss sich mit dem Image des Ostens immer wieder herumschlagen. Denn: Viele, die in Westdeutschland groß geworden ist, fühlen sich deutsch. Wer im Osten aufwächst, fühlt sich aber öfter vor allem ostdeutsch.

Eigentlich müsste es in der Debatte um den Tag der Deutschen Einheit viel mehr darum gehen, wie wir einen Tag der deutschen Vielfalt gestalten können.

Daniel Kubiak, Soziologe an der Humboldt-Universität zu Berlin

Daniel Kubiak, Soziologe an der Humboldt-Universität zu BerlinFoto: Andreas Goroncy

Gleichwertige Lebensverhältnisse?

Dem gegenüber stehen die Zahlen: Die Wirtschaftsleistung im Osten hat sich in den vergangenen 30 Jahren vervierfacht. Aber der Abstand zu den westdeutschen Ländern beträgt trotzdem noch immer 30 Prozent.

Die Klischees werden durch Unwissen befeuert. Deshalb müssen wir alle noch sehr viel mehr miteinander reden. Um die Mauer in den Köpfen endlich zum Einsturz zu bringen.

Friederike Schicht, Teil des Podcasts „Kohl-Kids“

Friederike Schicht, Teil des Podcasts "Kohl-Kids"Foto: Philipp Pongratz

Außerdem fällt auf: Wer in Ostdeutschland lebt, hat im Schnitt weniger Vertrauen in die staatlichen Organisationen und die Demokratie.

Das problematische ist: Der Westen wird als der Standard angesehen.

Juliane Wieler, Teil des Podcasts „Kohl-Kids“

Juliane Wieler, Teil des Podcasts "Kohl-Kids"Foto: Philipp Pongratz

Die Pandemie im Osten

2020 ist aber nicht nur der runde Geburtstag der Deutschen Einheit. Es ist auch das Jahr der Pandemie. Und erste Prognosen zeigen: Der Osten scheint besser aus der Krise zu kommen als der Westen.

Auf einmal war ich eben „der Ossi“. Und ich konnte mir selbst gar nicht erklären, was meine Aufgabe als „Ossi“ ist. Meine Aufgabe war es vor allen Dingen, mit den ganzen Klischees umzugehen.

Johannes Nichelmann, Autor des Buchs „Nachwendekinder“

Johannes Nichelmann, Autor des Buchs "Nachwendekinder"Foto: Niklas Vogt

Einigkeit und Recht und Freiheit

30 Jahre nach der Deutschen Einheit fühlen sich einige Ostdeutsche noch als ‚Bürger zweiter Klasse‚. In den 90er Jahren wurde nicht nur das politische und wirtschaftliche System der DDR abgeschafft. Es ist auch wenig von der ostdeutschen Kultur übrig geblieben.

Vorurteile gegenüber ‚dem Osten‘ sind das falsche Wort. Man muss es eher als fehlende Vorstellung bezeichnen.

Tarek Barkouni, Journalist für die „Krautreporter“ in Leipzig

Tarek Barkouni, Journalist für die "Krautreporter" in LeipzigFoto: Leon Müllem

detektor.fm-Moderatorin Amelie Berboth spricht mit der Generation der Nachwendekinder. Valerie Schönian ist Journalistin und Autorin des Buchs „Ostbewusstsein“. Johannes Nichelmann ist Autor des Buchs „Nachwendekinder“. Friederike Schicht und Juliane Wieler machen gemeinsam den Podcast „Kohl-Kids“ und Tarek Barkouni arbeitet als Reporter aus Ostdeutschland für die Krautreporter.

Außerdem erklärt der Soziologe Daniel Kubiak, warum der „Tag der Deutschen Einheit“ durch den „Tag der deutschen Vielfalt“ ersetzt werden müsste.