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Tobias Schwarz | AFP
Bild: Tobias Schwarz | AFP

Zurück zum Thema | Beutekunst

Koloniale Beutekunst – behalten oder zurückgeben?

Am Mittwochabend wurde das Humboldt Forum in Berlin eröffnet – digital und für manche mit einem faden Beigeschmack. Denn viele der ethnologischen Ausstellungsstücke sind während der Kolonialzeit in europäischen Besitz gekommen. Sollte man die Kulturschätze an ihre Herkunftsländer zurückgeben?

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Beutekunst als rechtmäßiges Eigentum?

Die Debatte um koloniale Beutekunst hat das Humboldt Forum die gesamte Zeit begleitet, in der das Berliner Stadtschloss neu gebaut worden ist. Neben Ausstellungen zu Nachhaltigkeit und über die Hauptstadt selbst soll ab Mitte 2021 auf zwei Etagen eine große ethnologische Sammlung zu sehen sein. Ausgestellt werden sollen Kulturobjekten aus Asien, Ozeanien und vor allem aus Afrika.

Das Humboldt Forum in der Welt, die Welt im Humboldt Forum, heißt es in einem lobenden Artikel des Museumsmagazins. Es wolle zu einem interkulturellen Dialog beitragen. Doch viele Exponate bezeugen die grausame koloniale Unterdrückungsgeschichte: Sie sind als Beutekunst von den ehemaligen Kolonialherren geraubt worden.

Die Sammlungen sind natürlich in einem kolonialen Kontext entstanden. Dennoch geht man nicht davon aus, dass alles Unrecht ist.

Hermann Parzinger, Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Hermann Parzinger, Stiftung Preußischer KulturbesitzHerlinde Koelbl

Jan Böhmermann erklärt im ZDF Magazin Royale Beutekunst so: „Das wäre so, als müssten Italiener heute nach Mogadischu fliegen, um sich da im Museum da Vincis Abendmahl anzuschauen.“ Fast alles, was heute in den ethnologischen Museen Europas bestaunt werden kann, stammt aus Sammlungen der Kolonialzeit. Mächtige europäische Länder wie Frankreich, Großbritannien und auch Deutschland haben Trophäen aus den Ländern mitgebracht, die sie erobert haben.

Einfach zurückgeben? Restitution ist kompliziert

Seit fast 50 Jahren fordert Nigeria, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) die wertvollen Benin-Bronzen zurückgibt. Erst kürzlich hat der Nigerianische Botschafter in einer Videobotschaft diese Forderung wiederholt und sich dabei explizit auf das Humboldt Forum bezogen, wo die Bronzen ausgestellt werden sollen.

Was bisher fehlt, ist, dass die Museen direkt auf die Gemeinschaften zugehen und ihnen sagen, wie viel Objekte sie von ihnen haben.

Christian Kopp, Berlin Postkolonial e. V.

Christian Kopp, Berlin Postkolonial e. V.privat

Eine Rückgabe ist allerdings oft nicht so einfach. Um festzustellen, wie Objekte zum Beispiel in deutsche Museen gelangt sind, ist sogenannte Provenienzforschung nötig. Dazu ist in Deutschland erst wenig geforscht worden. Hinzu kommt, dass die Rückgabe sich oft schwierig gestaltet. Es kann Jahre dauern, bis alle beteiligten Seiten klären können, was mit den Objekten passieren soll.

Die Diskussion um Beutekunst betrifft nicht nur das Humboldt Forum, sondern zahlreiche Museen. Wie geht man damit um? Das hat detektor.fm-Moderatorin Amelie Berboth Herrmann Parzinger gefragt. Er ist Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Christian Kopp vom Verein Berlin Postkolonial erklärt, warum und wie geraubte Kunstgegenstände wieder in ihre Kultur zurückgegeben werden sollten.