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Bild: Vladimir Simicek | AFP

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Homeschooling und Bildungsgerechtigkeit

Laut PISA-Test entscheidet die soziale Herkunft über den jeweiligen Bildungsgrad, den Schülerinnen und Schüler in ihrer Schullaufbahn erreichen. Aufgrund der Corona-Pandemie werden zurzeit alle Kinder zu Hause unterrichtet. Inwiefern verstärkt das die Bildungsungleichheit?

Kinder, die unter schwierigen sozioökonomischen Bedingungen leben, erreichen im Vergleich zu privilegierteren Klassenkameradinnen und -kameraden einen niedrigeren Bildungsabschluss: das ist eine Form von Bildungsungleichheit. Im Vergleich zu den Nachbarländern ist diese in Deutschland stark ausgeprägt.

Homeschooling als soziales Problem

Durch die Corona-Pandemie werden derzeit alle Schüler im sogenannten Homeschooling unterrichtet. E-Learning am Tablet, die Arbeitsblätter werden ausgedruckt, sortiert und abgeheftet. Am Schreibtisch im ruhigen Kinderzimmer werden die Hausaufgaben erledigt. So kann das ganze im Idealfall funktionieren. Aber leider könnte die Realität in manchen Haushalten nicht ferner sein.

Etwa ein Drittel der Eltern schaffen es nicht, ihre Kinder schulisch richtig zu unterstützen. Und diese Kinder fallen jetzt noch weiter zurück.

Klaus Hurrelmann, Professor für Public Health and Education an der Hertie School of Governance

Klaus Hurrelmann, Professor für Public Health and Education an der Hertie School of GovernanceKlaus Hurrelmann

Wachsende Bildungsungleichheit

Nicht alle Familien können ihre Kinder beim Unterrichtsstoff unterstützen. Die Eltern haben dazu schlichtweg nicht die Zeit, den Wohnraum oder die Sprachkenntnisse. Oft fehlen eigene finanzielle Mittel, um beispielsweise einen Computer oder einen Drucker zu kaufen. Am Mittwochabend hat der Koalitionsausschuss deshalb beschlossen, dass bedürftige Familien eine Einmalzahlung von 150 Euro von den Schulen bekommen sollen.

Das ist schon mal ein guter Ansatz, reicht aber bei weitem nicht aus.

Ilka Hoffmann, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Es mangelt allerdings nicht nur an finanziellen und technischen Mitteln für die Schüler. Häufig fehlt ihnen auch die gewohnte Tagesstruktur, die der Schulalltag sonst bietet. Vor allem wenn die Eltern nicht von zu Hause arbeiten und ihre Kinder beaufsichtigen können. Je länger also die Schulen aufgrund der Corona-Krise geschlossen bleiben, desto weiter geht die Schere der Bildungsungleichheit auseinander. Mit dem tatsächlichen Ausmaß des Problems werden sich die Lehrer konfrontiert sehen, sobald die Schulen wieder geöffnet sind.

Wie die Corona-Pandemie die bereits bestehende Bildungsungleichheit verstärkt, bespricht detektor.fm-Moderatorin Lara-Lena Gödde mit Klaus Hurrelmann. Er ist Professor für Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin. Vorschläge, wie man die Schere der Bildungsungleichheit schließen könnte, kommen von der Erziehungswissenschaftlerin Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.