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Für die meisten Kinder in Deutschland entscheidet sich bereits nach der vierten Klasse, welche höhere Schule sie besuchen. Foto: Monkey Business | shutterstock.com
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Zurück zum Thema | Deutsches Schulsystem

Gehören Gymnasien abgeschafft?

Hauptschule hält unten und Gymnasien sind elitär. So das gängige Klischee – aber inwieweit reproduziert die Schule als Institution tatsächlich soziale Ungleichheit? Und haben Alternativen zum gängigen dreigliedrigen Schulsystem dem etwas entgegenzusetzen?

Gute Bildung ist in Deutschland ein Grundrecht. Denn das deutsche Bildungssystem setzt auf Chancengleichheit und Leistungsprinzip. Das heißt, allen Kindern und Jugendlichen soll ermöglicht werden, einen schulischen Abschluss nach ihren individuellen Fähigkeiten zu erlangen, unabhängig von sozioökonomischen Status, Herkunft und Geschlecht. Unterschiedliche Schulformen, wie Hauptschule, Realschule und Gymnasium sollen dies leisten, indem gezielt gefördert wird.

Nichts gelernt?

Allgemeingültige Aussagen sind im föderalistischen Schulsystem Deutschlands schwierig zu treffen, da sich je nach Bundesland auch der Zugang zu den höheren Schulen unterscheidet. Braucht es in manchen Bundesländern die Bildungsempfehlung der Grundschule, reicht in anderen Gebieten der Wunsch der Eltern. Dennoch lässt sich festhalten, dass immer noch Chancenungleichheit beim Besuch der höheren Schulen besteht. Akademikerkinder aus wohhabenden Familien besuchen eher das Gymnasium und Kinder einkommensschwächerer Familien eher Haupt- und Realschulen.

In Deutschland werden Bildungsentscheidungen sehr früh getroffen. Da bleibt der Grundschule wenig Zeit, Nachteile zu kompensieren.

Benjamin Edelstein, Politikwissenschaftler

Benjamin Edelstein, PolitikwissenschaftlerFoto: David Ausserhofer

Vor diesem Hintergrund mag es etwas sonderbar anmuten, wenn Eltern und Lehrer beklagen, dass die deutschen Gymnasien ihr einstiges Prestige verlieren – handelt es sich beim Gymnasium also um eine elitäre Institution, die soziale Ungleichheiten reproduziert? Eine Frage, der sich Soziologen und Erziehungswissenschaftler bereits seit Jahrzehnten widmen und die auch zu praktischen Überlegungen führt, zum Beispiel dem Konzept der Gesamt- oder Gemeinschaftsschule.

Solange die Gymnasien existieren, wird es keine gelungene Mischung geben.

Ryan Plocher, Lehrer an einer Berliner Gemeinschaftsschule

Andreas Giersch ist Pressesprecher der Initiative „Gemeinschaftsschule in Sachsen“, die sich für das Konzept der Gemeinschaftsschule stark macht. Er erklärt, warum Kinder länger gemeinsam lernen sollten. Wie sich das dreigliedrige Schulsystem auf die soziale Ungleichheit auswirkt, untersucht Benjamin Edelstein. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und forscht zu Schulpolitik und Bildung. Außerdem spricht Ryan Plocher über seine Erfahrungen als Lehrer an einer Gemeinschaftsschule. detektor.fm-Moderatorin Lara-Lena Goedde hat mit ihnen gesprochen – nachzuhören in dieser Folge von ‚Zurück zum Thema‘.