DDR-Jugendsender 50 Jahre alt geworden

50 Jahre DT64 - Ein Stück ostdeutscher Jugend- und Radiokultur

09.05.2014

Wenn sich Leute an gutes, altes Radio erinnern, dann sprechen viele vom Zündfunk und viele Ostdeutsche von „DT64“. In diesem Jahr wäre der DDR-Jugendsender 50 Jahre alt geworden. Wir haben mit denen gesprochen, die damals dabei waren.

Der Jugendsender DT64 war anfangs nur als dreitägiges Festivalradio geplant. Foto: cogdogblog | flickr | Lizenz: CC BY-SA 2.0

50 Jahre ostdeutsche Radiogeschichte: Vom angepassten Jugendfunk zum widerständigen Radio. Dafür steht „DT64“ – der Radiosender, der Pfingsten 1964 in Ostberlin gegründet worden ist und das Deutschlandtreffen der „freien deutschen Jugend“ live begleiten sollte.

Zum Start haben die Macher „99 Stunden flotte Berichte, Suchanzeigen und vor allem Beat“ versprochen. Danach sollte Schluss sein, doch die Leute fanden das Programm gut und wollten mehr – deshalb kam es anders. Das „Jugendstudio DT64“ wurde zum festen Bestandteil des Berliner Rundfunks.

Die Inhalte sind schon ein Jahr nach dem Sendestart auf dem Plenum des Zentralkomitees der SED scharf kritisiert worden und zwar von Erich Honecker – das Programm deshalb abzuschalten stand aber nicht zur Diskussion. Die Verantwortlichen wollten die Inhalte stärker vorgeben, die Hörer aber weiterhin durch Live-Schaltungen am Programm beteiligen.

Der Rest ist eine wechselhafte Geschichte zwischen Anpassung und Rebellion. 1993 ist dann endgültig Schluss und der Sendebetrieb wird eingestellt.

An diesem Wochenende, vom 8. – 10. Mai, erinnert das „Return to Sender“-Festival an die vergangene Zeit und erweckt „DT64“ wieder zum Leben.

Über die Gründung und die ersten Jahre von „DT64“ haben wir mit Sigmar Krause gesprochen. Er wurde 1959 mit der Leitung der Jugendredaktion des Berliner Rundfunks betraut und so zum Mitorganisator des „Sonderstudios Deutschlandtreffen 1964“. Bis 1966 hat er das Gründerkollektiv geleitet, das „DT64“ als ständiges Programm des DDR-Rundfunks etabliert hat.

Hans-Jörg Stiehler hat in den 1980er Jahren Hörerforschung betrieben und so das neue Programmschema von „DT64“ mithilfe der aktuellen Erkenntnissen der DDR-Jugendforschung mitentwickelt.

Inzwischen ist er Professor für empirische Kommunikations- und Medienforschung an der Universität Leipzig und hat mit uns über seine Forschung bei „DT64“ gesprochen.

Ob „Morgenrock“, „Tendenz Hard bis Heavy“, „Electronics“ oder „Musik für den Rekorder“ – bei „DT64“ sind viele Musikfans auf ihre Kosten gekommen. Aber nicht alle waren durchweg begeistert von der Musik bei „DT64“ – von vielen Seiten gab es Kritik – vor allem daran, dass die sogenannte „Beatmusik“ propagiert wird.

Was war bei „DT64“ anders als bei den übrigen Sendern zu der Zeit? Darüber haben wir mit Stefan Lasch gesprochen, er warRedakteur, Moderator und stellvertretender Chefredakteur Musik bei „DT64“.

war Redakteur, Moderator und stellvertretender Chefredakteur Musik bei DT64.Stefan Laschwar Redakteur, Moderator und stellvertretender Chefredakteur Musik bei DT64. 

Bis 1993 war „DT64“ ein Teil ostdeutscher Jugendkultur – dann war Schluss.

Warum man den Sendebetrieb eingestellt hat, obwohl der Sender bei vielen jungen Leuten so beliebt war, berichtet Hansjürgen Rosenbauer.

Er hat das Abschalten mitbeschlossen, denn er war damals Intendant des ORB, des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg.

damaliger Intendant des ORB, des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg.Hansjürgen Rosenbauerdamaliger Intendant des ORB, des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg.