Ältester Farbfilm entdeckt – Wird die Filmgeschichte umgeschrieben?

17.09.2012

Das National Museum in Bradford hat den wohl ältesten Farbfilm gefunden. Der Film stammt aus dem Jahre 1902. Bisher galten die Kinemacolor-Filme aus dem Jahr 1910 als die ältesten Farbfilme weltweit. Muss die Filmgeschichte umgeschrieben werden? detektor.fm fragt nach.

Jahrelang lagen die Filmrollen unbeachtet im Archiv. Bei Aufräumarbeiten ist man nun auf sie gestoßen. Foto: © Premiere/dapd

forscht vor allem zu audiovisuellen Medien, Film und Fernsehen.Susanne Marschallforscht vor allem zu audiovisuellen Medien, Film und Fernsehen. 

Das National Media Museum im britischen Bradford will den wohl ältesten Farbfilm der Welt entdeckt haben.

Der Film aus dem Jahr 1902 stammt von Edward Turner – er war Erfinder und arbeitete unter anderem für den amerikanischen Fotografen Frederic Eugene Ives. Dieser spornte Turner auch dazu an, sich den farbigen Bildern zu widmen. Da Turner selbst kaum Geld hatte, finanzierte er sich über Sponsoren. Bevor er aber den Durchbruch schafft, stirbt Turner. Sein Sponsor verlor die Geduld und wechselte stattdessen zu den Kinematocolor-Filmen – die Filme, die bisher als die ältesten Farbfilme weltweit gelten.

2009 findet man dann in den Archiven das National Media Museums die Filmrollen Turners. Der Film wird rekonstruiert und tatsächlich – es ist ein farbiger Film, gedreht mit einer Methode, die sich Turner 1899 patentieren ließ.

Das Museum ist sich sicher – das sind die ältesten farblichen Aufnahmen weltweit.

Wie der Film überhaupt erst farbig wurde und ob die Filmgeschichte jetzt umgeschrieben werden muss, das haben wir Susanne Marschall gefragt. Sie ist Direktorin des Zentrum für Medienkompetenz in Tübingen.