“Als seien das keine Menschen” – Roma in Europa

13.09.2010

Sie werden gemieden, mit Vorurteilen und Misstrauen beäugt, ausgegrenzt, abgeschoben: Roma sind die größte Minderheit Europas - und sein blinder Fleck.

Die letzte Station vor einer Abschiebung: eine Zelle im Abschiebegefängnis. / © Theo Heimann

Die Autorin hat Romasiedlungen in sieben Ländern besucht. / © Joakim EskildsenCia RinneDie Autorin hat Romasiedlungen in sieben Ländern besucht. / © Joakim Eskildsen 

Die Bilder flimmerten vor einigen Wochen durch die Nachrichten, und haben viele Menschen in ganz Europa geschockt. In Frankreich wurden Siedlungen von Roma systematisch geräumt, die Roma dort sollen abgeschoben werden. Das ganze geschah oft in den frühen Morgenstunden, mit viel Polizei, und erinnerte so manchen an düstere Kapitel der Geschichte. Doch so schnell die Proteste hochkochten, so schnell waren sie wieder verschwunden.

Auf der diplomatischen Ebene sorgt Frankreichs Vorgehen weiter für Unmut, die UNO äußerte sich kritisch – doch aus den Schlagzeilen und damit aus dem Bewusstsein verschwindet das Geschehen wieder. Dabei ist eben ein internes Papier des französischen Innenministeriums an die Öffentlichkeit geraten, das für die Abschiebe-Aktionen ganz gezielte Zahlen vorgibt: „300 Lager oder illegale Siedlungen müssen innerhalb von drei Monaten geräumt werden, Roma-Lager haben Vorrang„, heißt es in dem Text – und wieder einmal ist die Debatte damit irgendwie menschenfern und wird auf Zahlen reduziert.

Über wen reden wir da eigentlich, wenn wir von Roma-Siedlungen sprechen? Wie ist das Leben dort? Und wieviel weiß Europa wirklich davon? Das fragen wir Cia Rinne, die gemeinsam mit ihrem Mann Roma in ganz Europa besucht und mit ihnen gelebt hat. Das Interview können Sie hier nachhören:

Man spielt mit den Roma, als seien das keine Menschen, sondern kleine Schachfiguren im politischen großen Spiel. (Cia Rinne)