Über Schein oder Sein der Elite –  zweite Runde für die Exzellenz-Unis

15.06.2012

TU Dresden, Universität Bremen, Uni Köln - das sind drei der elf Glücklichen, die sich zukünftig mit dem Label «Elite-Uni» schmücken können. Andere sind den Titel los. Eine kritische Analyse über die Nachhaltigkeit dieser "Exzellenzinitiative".

Über den Milliardenfördertopf dürfen sich nur wenige der deutschen Hochschulmitarbeiter freuen. / Foto: © Phillip Guelland/dapd

Deutsche Hochschulen sucht man auf den vorderen Plätzen der weltweiten Rankings vergeblich. Grund genug für die rot-grüne Bundesregierung, 2005 ein Exzellenz-Förderprogramm auf die Bühne zu heben.

Mit der „Exzellenzinitiative“ wurde ein Fördertopf von 1,9 Milliarden Euro bereitgestellt, um den besten Universitäten des Landes auch finanziell zur Exzellenz zu verhelfen. Die Hoffnung: Leuchttürme sollen solch eine Strahlkraft entwickeln, dass sich in ihrem Umfeld nachhaltig Spitzenforschung ansiedelt.

Mit Geld, Förderung und dem Kunstbegriff „Eliteuniversität“ wollte man diese Leuchtturme schaffen – die auch international Bestand haben sollten. Doch nicht wenige sehen das kritisch:

Es ist maßlos zu denken, dass man in zwei mal fünf Jahren ein Harvard oder ein Stanford wird. – Stephan Leibfried

hält die Exzellenzinitiative nur für bedingt sinnvoll.Stephan Leibfried hält die Exzellenzinitiative nur für bedingt sinnvoll. 

2011 lief die erste Förderrunde aus, und Bewerbungen für die zweite Auflage wurden entgegengenommen. Schnell wurden kritische Stimmen laut, dass das Auswahlverfahren nicht transparent genug abgelaufen sei. Außerdem stellt sich die Frage nach der Langfristigkeit solcher Fördertöpfe. So müssen sich zum Beispiel das KIT in Karlsrühe, die Universität Göttingen und die Freiburger Uni jetzt mit dem Förderende arrangieren:

So eine Initiative macht nur Sinn, wenn sie nachhaltig ist. – Stephan Leibfried

Wird Leistung belohnt – oder das Versprechen darauf?

Nicht zuletzt findet hier ein Bruch statt: mit der gesamten bisherigen deutschen Forschungstradition. Das ist, egal wie man nun im Einzelnen zu den Kritikpunkten steht, festzuhalten. Die Idee der Gleichheit aller Hochschulen wurde einer neuen Logik der Forschungsfinanzierung untergeordnet. So sind nur ganze Hochschulen antragsberechtigt, und nicht einzelne Wissenschaftler. Und die Rektoren, die seit Jahren unter dem Kostendruck ächzen, wollen diese Chancen nutzen: allerorten werden Graduiertenschulen gegründet, Forschungsbereiche, Cluster, übergreifende Zentren – und enorme Aufwendungen fließen in das Selbstmarketing. Was in den Augen vieler auf der Strecke bleibt, ist die Lehre. Letztlich wird in der Exzellenzinitiative nicht Leistung belohnt, sondern das Versprechen darauf. Die Hochschulen überbieten sich folglich im Wettbewerb um größtmögliche Strahlkraft. Soweit die Kritiker.

Das Ergebnis der Mittelvergabe in der zweiten Runde ist heute verkündet worden – und viele dieser Kritiker fühlen sich bestätigt. Wir haben dazu mit dem Politologen Stephan Leibfried von der Arbeitsgruppe Exzellenzinitiative gesprochen. Als Sprecher der Initiative hat er in den vergangenen Jahren den gesamten Prozess kritisch begleitet.